Leichlingen: Klinikwald Roderbirken

Natur : Der Förster vom Klinikwald Roderbirken

Peter Krause betreut seit 25 Jahren das so genannte Splitterrevier. Dass er das mit Leidenschaft tut, merkt man an jedem seiner Worte. So auch, wenn er an alle Forst-Besucher gewandt sagt: „Wir sind nur Gast im Wald.“

In der Ferne dröhnen Motorsägen. Peter Krause zeigt hinunter ins Tal. „Das sind meine beiden Mitarbeiter, die dort die Wege freischneiden“, erklärt er. Und dann zeigt er nach oben in eine Baumkrone. „In dem nisten die Schwarzspechte.“ Der 52-Jährige weiß immer ganz genau, was gerade wo in dem rund hundert Hektar großen Wald passiert. Denn es ist „sein“ Wald.

Seit 25 Jahren ist Peter Krause nun schon Förster im Klinikwald Roderbirken. Offiziell heißt das: Er ist im Sachgebiet 1 (Forstbetrieb) für die Waldbewirtschaftung zuständig. Und nicht nur für den einen Wald in Leichlingen, sondern für fünf weitere in der Region. Sogenannte Splitterreviere, die der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Rheinland gehören. Die betreibt sechs Rehakliniken, und alle sind von Wald umgeben. „Aber dieser Wald mit seinem artenreichen Baumbestand und den offenen Tälern liegt mir besonders am Herzen“, sagt Krause, der mit seiner Familie nur etwa 500 Meter Luftlinie entfernt wohnt.

Darum wird er auch nicht müde, Spaziergänger zu bitten, ihre Hunde anzuleinen. „Ich habe schon zu viele gerissene Rehkitze gesehen.“ Und bei Waldbrandgefahr hängt er Zettel in der Klinik auf, damit die Patienten im Wald nicht rauchen. Seine Einstellung: „Wir sind Gast im Wald, in diesem Juwel in Großstadtnähe, und so sollten wir uns auch benehmen.“ Der Klinikwald Roderbirken ist Leichlingens größtes Waldgebiet – dort wachsen etwa Fichten, Buchen, Eichen, Eschen und Ahorn und leben Rehe, Hasen, Füchse, Dachse und Wildschweine. Ursprünglich wurde der Wald für die Patienten angelegt; im Jahr 1910 war er sogar noch eingezäunt. Auch heute unterstützt die Natur die Patienten beim Gesundwerden. Aber längst ist der Wald für alle Bürger zugänglich.

Peter Krause, der Forstwirt gelernt, sich dann in Forstwirtschaft weitergebildet und anschließend Betriebswirtschaft studiert hat, ist mittlerweile ein Verwaltungsmensch im öffentlichen Dienst. „Aber wer sonst kann schon aus seinem Bürofenster direkt in den Wald schauen?“, fragt er und lacht. Sein Rücken habe irgendwann einfach nicht mehr mitgemacht. „Forstarbeit ist körperliche Schwerstarbeit, der Job ist auf Platz drei der gefährlichsten Berufe.“ Die regelmäßigen Kontrollen in seinen Revieren – zu Fuß oder im dunkelgrünen Pickup – macht er selbst, aber bei Waldarbeiten greift er nur noch in Sonderfällen mit ein. Etwa, wenn in Kliniknähe ein Baum gefällt werden muss, bei schweren Stürmen wie Frederike und zuletzt beim Juni-Unwetter.

Wenn Peter Krause daran zurückdenkt, ist er immer noch geschockt. „Das war eine Jahrhundertkatastrophe!“ Es gab in der Vergangenheit Stürme und mehrere Waldbrände. „Aber so etwas habe ich in 25 Jahren nicht erlebt!“ Drei Brücken im Wald wurden einfach weggeschwemmt, Wege sind abgesackt und unzählige Bäume umgestürzt. „Vier Wochen haben wir gebraucht, um allein die gröbsten Schäden zu beheben.“ Im Nachhinein kann er sagen: „Dieser Starkregen hat das Landschaftsbild des gesamten Waldes verändert. Bachläufe fließen seitdem in andere Richtungen und Bäume fehlen.“

Peter Krause ist ein Naturmensch. In Cargohosen, Wanderschuhen und T-Shirt fühlt er sich wohl, auch privat sucht der Vater von drei fast erwachsenen Kindern die Nähe zur Natur. Wandern gehört zu seinen liebsten Hobbys, am liebsten in Skandinavien oder sogar Kanada, aber auch an der Sengbachtalsperre. „Ich brauche viele Stunden Bewegung am Tag.“ Sein Beruf ist deshalb seine Leidenschaft. „Ich bin stolz, wenn ich sehe, was hier in den vergangenen 25 Jahren entstanden ist“, sagt er. „So ein Wald ist etwas für Generationen von Menschen.“ Und selbst wenn der diesjährige Hitzesommer Folgen haben wird. Peter Krause versichert: „Einige Bäume werden jetzt vertrocknen, aber der Wald wird überleben.“