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Leichlingen: Innen faul - Stadt muss Platane im Eicherhofpark fällen

Stadt Leichlingen erläutert Fällentscheidung : Innen faul: Platane im Eicherhofpark gefällt

Wie kann es sein, dass kerngesund wirkende Bäume gefällt werden?, wundern sich Bürger. Die Stadt erklärt es am aktuellen Fallbeispiel.

Oben weniger belaubt, unten ein Flaschenhals. Die städtischen Baumkontrolleure hat dieses Bild einer mächtigen Platane im Eicherhofpark bei einer Routinerunde aufgeschreckt: Bei genauerer Begutachtung war Bauhofmitarbeiter Oliver Heidelberg eben jener Flaschenhals – eine Verdickung im unteren Bereich des Stammes – aufgefallen. Der kann ein Zeichen für Fäulnis im Inneren sein, „da der Baum dort versucht, vermehrt Holz anzulagern, um sich zu stabilisieren“, meldet die Stadt.

Und Heidelberg fand noch mehr: eine kleine Höhlung am Fuß des Stammes. Der Stadt-Mitarbeiter steckte den Sondierstab hinein. Ergebnis der Untersuchung: Die vermutete Fäulnis war mindestens 60 Zentimeter in den Stamm des mächtigen Baumes vorgedrungen.

 Die Platane hatte einen so genannten Flaschenhals, also eine Verdickung, entwickelt.
Die Platane hatte einen so genannten Flaschenhals, also eine Verdickung, entwickelt. Foto: Heidelberg/Stadt Leichlingen

Oliver Heidelberg packte noch mehr Baumbesteck aus, machte mit dem Diagnosehammer eine Kopfprobe. Auch die bestätigte: Die Fäulnis hat sich im Bauminneren sehr deutlich ausgebreitet. Von außen sichtbar: ein hoher Totholzanteil in der Krone und Pilzfruchtkörper im Kronenbereich. Alles Anzeichen für die Schwächung des Baumes. Die hatten nun Folgen für den Baum, die vor allem die Initiative „Future for Leichlingen“ treffen wird, deren Mitgliedern an der Erhaltung von möglichst viel Blattvolumen und Phytomasse in der Stadt gelegen ist – für ein gutes Klima. Jüngst hatte die Gruppe einen Bürgerantrag gestellt. Dabei ging es um die zu befürchtende Fällung einer Platane am Rathaus für den Bau des neuen Kreisels im Zusammenhang mit der Innenstadt-Neugestaltung. Die Initiative fordert einen 1:1-Ausgleich.

Die Stadt kam bei der Abwägung zur Park-Platane zu dem Schluss: Der Baum muss gefällt werden. „Bei einem so großen und alten Baum natürlich keine angenehme Entscheidung“, beschreibt Stadtsprecherin Ute Gerhards. Die Stadt bestellte Fachagrarwirte und Baumkletterer einer auf Baumpflege spezialisierten Fachfirma zum Ortstermin ein. Die Experten prüften laut Stadt noch einmal, ob nicht gezielte Maßnahmen wie einen Kronenrückschnitt die Platane doch noch ein paar Jahre erhalten bleiben könnte. „In diesem Fall war eine Fällung leider unumgänglich, darin waren sich die Fachleute einig“, meldet Gerhards. Die 30 Meter hohe Platane ist in der vergangenen Woche gefällt worden.

Die Entscheidung sei richtig gewesen, denn „nach der Fällung war deutlich zu erkennen, wie weit die Fäulnis schon fortgeschritten war“, sagt die Stadt. „Gerade im städtischen Raum, wo es darum geht, Menschen vor Verletzungen zu schützen, ist eine kontinuierliche Überprüfung des Baumbestands von großer Bedeutung, um unliebsame Unfälle zu vermeiden.“ Auch wenn die Fällung für Bürger als ein Ärgernis daherkomme, weil die Bäume von außen noch ziemlich vital wirkten. „Selbstverständlich treffen die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs die Entscheidung, einen Baum zu fällen, nicht leichtfertig und auch ihnen tut es in der Seele weh, wenn ein alter Baum sein Ende findet“, merkt Ute Gerhards an. Erst im vergangenen Jahr hatte im Eicherhofpark ein mehr als 80 Jahre alter Ahorn gefällt werden müssen. Er war so stark von einem Pilz befallen gewesen, dass er nicht mehr standfest war.