Leichlingen: Inklusiver Kunst-Workshop im Quartierstreff

Gemeinsam kreativ : Menschen mit und ohne Behinderung schaffen Kunst

Erstmals gab es im Leichlinger Quartierstreff eine inklusive Kunst-Werkstatt. Die Kreativität half, Hemmschwellen zu überwinden.

Kreativität gehört im Leichlinger Quartierstreff seit seiner Eröffnung vor bald zwei Jahren zum Programm. Erstmals aber trafen sich am Samstag zwölf Teilnehmer zu einer inklusiven Kunst-Werkstatt, in der Menschen mit und ohne Behinderung – angeleitet durch den Leverkusener Künstler Alfred Prenzlow – sehenswerte Druckgrafiken erstellten.

Konzentriert sitzt Frigga Daaßen vor ihrer Styroporplatte und ritzt mit einem spitzen Bleistift feine Linien in das weiche Material. Ein Fahrrad ist zu erkennen, etwas Gras und eine Sonne. „Zeichnen müsste man können“, sagt die 80-Jährige amüsiert und schmunzelt. Es ist ihre erste Druckgrafik, die sie erstellt. An den Feinheiten müsse sie noch arbeiten. Aber es gefalle ihr gut. „Die Zeit vergeht wie im Fluge und ich bin überrascht, wie leicht es eigentlich ist und wie viel Spaß das macht.“

Unweit der Seniorin hat auch Julian Göpel an seinem Werk gearbeitet. Gemeinsam haben der 35-Jährig und Daaßen die Neugier und Leidenschaft für kreative Prozesse. „Ich bin handwerklich sehr begabt“, sagt Göpel, der trotz Handicap voll im Leben steht, als Hausmeister-Assistent seit 15 Jahren nun einer Arbeit nachgeht, die im offensichtlich viel Freude bereitet. Und auch in seiner Freizeit ist der gesellige Leichlinger sehr aktiv, wie er erzählt.

Unter gewöhnlichen Umständen wären sich diese beiden Menschen wohl nicht und wenn, dann nur flüchtig auf der Straße, begegnet. Durch die kostenlose inklusive Kreativ-Werkstatt, gefördert durch die Leichlingen-Stiftung der Kreissparkasse Köln aber, konnten sich Menschen mit und ohne Behinderung über die Kunst begegnen und sogar voneinander lernen, wie der Leverkusener Künstler Alfred Prenzlow erklärte.

Das besondere sei nicht etwa am Ende der fertige Druck, „das schöne ist der eigene kreative Prozess, der dahintersteckt.“ Dadurch, dass die Teilnehmer an einem großen Tisch zusammensitzen und sich gegenseitig auf die Drucke schauen könnten, entstehe der Austausch.Durch die ausgewählten Materialien, die weiche Styroporplatte und ein einfacher Bleistift, sei es – im Vergleich zur Arbeit mit Linoleumplatten –  deutlich einfacher und die Teilnehmer erzielen schneller Erfolgserlebnisse.

Den fertigen Drucken – Fantasiemolekülen, Schneemännern und Sonnenuntergängen in Gelb, Orange oder Blau – waren Handicaps ihrer Schöpfer nicht anzumerken. Und im Umgang miteinander wurden kreativ Hemmschwellen abgebaut. Am 6. April wird die inklusive Kreativ-Werkstatt im Quartierstreff (Gartenstraße 6) fortgesetzt.

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