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Leichlingen Hofläden freuen sich in Corona-Krise über mehr Kundschaft

Corona-Krise : Hofläden freuen sich über mehr Kundschaft

Die Corona-Krise ist eine Chance für die lokale Landwirtschaft. Betreiber von Hofläden in Leichlingen und Umgebung verzeichnen mehr Zulauf. So etwa Thomas Conrads in seiner Bergischen Bauernscheune in Junkersholz, aber auch Ramona Forsbach, die auf dem Grunder Hof von Friedhelm Kamphausen in Bergisch Neukirchen arbeitet.

Die Hofläden der Region gehören derzeit zu den Gewinnern der Corona-Krise. Einen merklichen Anstieg verzeichnete etwa Thomas Conrads in seiner Bergischen Bauernscheune in Junkersholz. Das kann auch Ramona Forsbach, die auf dem Grunder Hof von Friedhelm Kamphausen in Bergisch Neukirchen arbeitet, bestätigen. „Ja, wir haben mehr und vor allem viele neue Kunden, die sich umorientierten und lieber bei uns als in den großen Läden einkaufen“, stellt sie fest.

Dieser Hofladen ist vor allem auf Eier spezialisiert, und die waren ganz besonders gefragt nach dem Lockdown, als sie in vielen Supermärkten fast so knapp wurden wie das Toilettenpapier.

Warum der Bedarf an Eiern plötzlich gestiegen war, hat man sich auf dem Grunder Hof auch gefragt. War es das allgemeine Hamster-Verhalten, oder wurde mehr gebacken?

Natürlich mussten sich auch von einem Tag auf den anderen ganze Familien komplett zu Hause ernähren, statt mittags in der Betriebskantine, in der Kita oder in der Schulmensa zu essen. Kurz vor Ostern steigt jedes Jahr der Eierbedarf, weiß Forsbach. Und nach dem Fest gibt es gewöhnlich einen kleinen Einbruch, weil dann erst einmal alle genug haben. Diese typische Schwankung sei in der Corona-Zeit weniger deutlich gewesen.

Nach wie vor sei die Nachfrage höher als sonst im Mai. Das liege vielleicht am veränderten Kaufverhalten, denn durch die Krise seien viel mehr neue Kunden auf den Hof gekommen. Der liegt übrigens direkt am Obstwanderweg. Und da sei bei dem schönen Frühlingswetter die ganze Zeit über Hochbetrieb gewesen.

In der Bauernscheune Conrads liefen nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch die Fleisch- und Wurstwaren sehr gut. „Als die Geschäfte zu waren, hatten die Kunden ein deutlich höheres Qualitätsbewusstsein“, hat Conrads festgestellt, „sie wollten wissen, woher die Produkte kommen.“ Ein wenig seien die Kundenbesuche wieder zurückgegangen, was Thomas Conrads darauf zurückführt, dass es inzwischen mehr Freizeitmöglichkeiten gibt. Während der stärksten Beschränkungen war für viele der Ausflug in den Hofladen, der sogar sonntags geöffnet hat, schon ein echtes Event.

Der absolute Verkaufsrenner waren in den vergangenen Wochen die Gesichtsmasken. Seit zwei Jahren ist in der Bauernscheune eine Messstation für Maßhemden und -blusen eingerichtet. Die Herstellerfirma habe sehr schnell umgestellt auf Masken aus den gleichen Stoffen. Mittlerweile habe sich der große Ansturm gelegt, die meisten Menschen seien offenbar versorgt. Jetzt haben Erdbeeren und Spargel Saison und die ersten neuen Kartoffeln aus Deutschland.

Verstärkten Kundenzulauf meldet auch Martina Sesterhenn auf ihrem Bauernhof, wo auch Unterkünfte angeboten werden. Die Vermietung sei natürlich komplett eingebrochen, obwohl bei ihr viele Handwerker und Monteure übernachten, die sie hätte aufnehmen dürfen. Da lag es eher an den Firmen, die den Betrieb heruntergefahren hatten. Die Blumenfelder in Hitdorf, Pattscheid und Junkersholz hatte sie die ganze Zeit geöffnet, nach Ende der Tulpenzeit nun mit Allium, Iris und Bartnelken. Sie lobt die Disziplin der Selbstpflücker, die immer gut Abstand gehalten hätten.

Einen vermehrten Run auf heimisches Obst und Gemüse vom Erzeuger sowie einen richtigen Eierboom verzeichnete auch Britta Appenrodt, sowohl im Geschäftslokal in der Leichlinger Stadtmitte als auch direkt im Laden auf dem Obsthof. „Das ging mit dem 16. März los, als alles geschlossen wurde“, erzählt sie. Das gleiche gelte für den Onlinehandel „Gesunde Tüte“, über den ihr Sohn seit eineinhalb Jahren eigene Produkte, vor allem Äpfel, Birnen, Kirschen, Erdbeeren und Gemüse über das Internet vermarktet – alles in Papier verpackt und ohne Plastik. „Vielleicht hilft uns Corona“, hofft Britta Appenrodt für den Berufsstand der Landwirte. Die Menschen kämen ans Nachdenken, dass man Einkaufen in der Region nicht nur schön finden, sondern auch danach leben müsse. „Sonst gibt es in zehn Jahren keine Bauern als Familienunternehmen mehr, sondern nur noch Großbetriebe.“ Insofern könnte die Krise nicht nur ein Strohfeuer, sondern ein Umdenken entfacht haben.