1. NRW
  2. Städte
  3. Leichlingen

Leichlingen: Hausarzt impft jetzt im Gemeindezentrum

Corona in Leichlingen : Hausarzt impft jetzt im Gemeindezentrum

Bis zu 300 Menschen pro Woche bekommen von Thomas Hahn das Anti-Corona-Vakzin verabreicht. Nun weicht der Leichlinger Mediziner auch auf kirchliche Räumlichkeiten aus.

„Ich könnte den ganzen Tag nur grinsen. Das ist einfach der beste Job, den ich machen kann“: Der Leichlinger Hausarzt und Allgemeinmediziner Thomas Hahn kommt aus dem Schwärmen kaum heraus. Seit einer Woche hat er im evangelischen Gemeindezentrum an der Marktstraße ein kleines Impfzentrum eingerichtet, in dem er bereits an den ersten beiden Tagen 300 Patienten mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft hat. Die Menschen sind so glücklich, dass sich das Hochgefühl auf den Arzt und seine Mitarbeiterin Beate Zöller überträgt.

Möglich ist die konzertierte Aktion, weil die evangelische Kirche nach einer Anfrage aus der Praxis äußerst unbürokratisch das Gemeindezentrum zur Verfügung gestellt hat. „Ich habe Pfarrer Görn freitags angesprochen, sonntags das Okay bekommen und am nächsten Mittwoch mit dem Impfen begonnen. Ärzte und Pfarrer wollen gleichermaßen helfen, und wir haben gemeinsam überlegt, wie es am einfachsten gehen kann“, sagt der Mediziner und freut sich über die Unterstützung.

In seiner Gemeinschaftspraxis an der Gartenstraße ist das Impfen mit diesem Impfstoff so nicht möglich. „In unseren Praxisräumen ist die Tür zugleich Ein- und Ausgang. Bei 150 Impfungen am Tag ist das einfach unpraktisch. Hier habe ich eine barrierefreie Rampe, eine Einbahnstraße, über die die Menschen den Raum wieder verlassen, und ich kann sie mit Abstand platzieren“, erklärt Hahn.

  • Daniel Perreau impft einen Frau gegen
    Corona-Pandemie im Erkelenzer Land : Arzt startet mit Mini-Impfzentrum durch
  • Ein Arzt aus Ostwestfalen hat Impftermine
    Astrazeneca bleibt liegen : Arzt bietet Impftermine bei Ebay an
  • Minister Karl-Josef Laumann.
    Prio 3 in NRW an der Reihe : Laumann appelliert – Ältere sollen Astrazeneca nehmen

Montags und dienstags impfen seine Kollegen und er derweil mit dem Vakzin von Astrazeneca in der Mittagspause in den eigenen Räumen. „Das geht deshalb, weil die Nachfrage danach deutlich geringer ist. Allerdings ist der Gesprächsbedarf der Patienten deutlich höher als bei Biontech/Pfizer“, sagt der Hausarzt. Dabei halte er Astrazeneca für Menschen über 60 für den besseren Impfstoff und für „extrem sicher“, weil der Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf schneller eintrete als bei anderen Präparaten.

Im evangelischen Gemeindezentrum geht es im Übrigen auch in dieser Woche Schlag auf Schlag: 168 Patienten hat er vor wenigen Tagen einen Termin für Mittwoch oder Donnerstag geben können, alle zehn Minuten kommen fünf neue. Wie es in den kommenden Wochen weitergeht, ist jedoch unklar: „Wir erfahren immer donnerstags, wie viel Impfstoff wir dienstags bekommen. Bis Freitag muss das Vakzin verbraucht sein, weil es danach verfällt“, erläutert der Arzt. Die Warteliste in seiner Praxis ist lang, trotzdem bleibt gelegentlich eine Dosis übrig, für die sein Team abends Nachrücker anruft.

Noch mehr Gedanken als über diese kurzfristige Planung macht er sich allerdings über die Situation in einigen Wochen, wenn die Patienten alle ihre zweite Impfung bekommen: „Wir wissen leider nicht, ob wir dann gerade genug Impfstoff kriegen können“, sagt er mit Blick auf die schwankende Verfügbarkeit. Die Kassenärztliche Vereinigung garantiere allerdings die Zweitimpfung. Außerdem sei eine zweite Impfung auch noch nach sieben oder acht Wochen möglich, relativiert er ein wenig die Sorgen.

Im evangelischen Gemeindezentrum jedenfalls will er impfen, solange er darf und bis die Kirche ihre Räume wieder selbst braucht. „Ich hoffe, dass das noch bis in die Sommerferien hinein funktioniert“, zeigt sich Thomas Hahn optimistisch.