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Leichlingen: Feuer in historischem Gutsgebäude

Stundenlanger Feuerwehr-Einsatz : Brand zerstört historisches Haus in Leichlingen

Rund 100 Einsatzkräfte mussten ausrücken. Das historische Gebäude in Leichlingen-Haswinkel war gerade erst renoviert worden und stand kurz davor, bezogen zu werden. Die Bevölkerung wurde per Warn-App „Nina“ wegen der starken Rauchentwicklung alarmiert.

Der Schock sitzt tief bei Manuel Zapp. Das weiße Gebäude mit den grünen Fensterläden in Leichlingen-Haswinkel, in das der 40-Jährige in Kürze mit seiner Familie einziehen wollte, ist mit rot-weißem Flatterband von der Polizei abgesperrt. Von dem Dach fehlen große Teile, Fenster sind rußgeschwärzt. „Wir haben den Hof die vergangenen zwei Jahre mühevoll saniert“, berichtet er am Dienstag. „Nun können wir wieder von vorne anfangen. Das Wichtigste aber ist natürlich, dass niemand bei dem Feuer zu Schaden gekommen ist.“

In der vorangegangenen Nacht hatte ein Feuer im Dachstuhl des historischen Gebäudes gewütet. Die Leichlinger Feuerwehr war gegen 22 Uhr alarmiert worden. Erst gegen 2 Uhr nachts konnten die Einsatzkräfte laut Feuerwehrsprecher Thomas Schmitz damit beginnen, das Dach abzudecken und letzte Glutnester zu löschen. Rund 100 Helfer waren im Einsatz. Über die Warn-App „Nina“ wurde die Bevölkerung vor starker Rauchentwicklung gewarnt. „Eine große schwarze Rauchwolke zog Richtung Witzhelden“, berichtet Schmitz.

Manuel Zapp (40) wollte in Kürze mit seiner Familie in das Haus einziehen. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Das Hauptproblem sei die Wasserversorgung gewesen, so der Feuerwehrsprecher. Es habe etwas gedauert, eine Leitung von Diepental nach Haswinkel zu verlegen. Denn dort mussten zwei Drehleitern mit Wasser bestückt werden. Die zweite war von Burscheid gekommen. „Später haben wir noch eine dritte Drehleiter aus Leverkusen angefordert, weil deren Leiter knickbar ist und man so gut auf die andere Seite des Daches kam.“

Alle Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr Leichlingen waren im Einsatz, außerdem Löschzüge aus Burscheid, Leverkusen und Odenthal, ebenso der Rettungsdienst, die Polizei, die Energieversorgung Leverkusen und der Mitarbeiter der Gruppe Information und Kommunikation des Rheinisch-Bergischen Kreises. Das Deutsche Rote Kreuz versorgte die Helfer mit Essen und warmen Getränken. „Die letzten Einsatzkräfte sind am Dienstagmorgen gegen 6.30 Uhr abgerückt“, sagt Schmitz. Während des Einsatzes war die Landstraße L294 gesperrt.

Verletzt wurde dem Sprecher zufolge niemand. Das Haus sei noch nicht bewohnt gewesen und jetzt auch nicht mehr bewohnbar. Abgesehen vom fehlenden Dach gebe es durch den Löscheinsatz einen massiven Wasserschaden an dem historischen Gut. Es sei auch stark verraucht.

„Wir haben unsere Mietswohnung in Düsseldorf zu Ende Juli gekündigt“, erzählt Manuel Zapp, zu dessen Familie neben seiner Frau sein Sohn (2), seine Tochter (neun Monate) und ein 16 Wochen alter Hund gehören. „Nun müssen wir sehen, wo wir dann unterkommen.“

Was von dem Gebäude noch zu retten sei, könne er noch nicht sagen. „Das Haus ist abgesperrt. Die Polizei ermittelt die Brandursache“, berichtet Zapp. Angesichts des großen Feuers rechne er aber mit einem Totalschaden.

Der Hof in Haswinkel befinde sich schon lange im Familienbesitz. 2016 habe er ihn zusammen mit seiner Schwester geerbt. Ebenso einen weiteren Hof auf dem Grundstück, der bei dem Feuer nicht beschädigt wurde. „Den wollten wir als nächstes sanieren“, sagt der 40-Jährige. „Aber das wird nun erst mal nichts.“

Obdachlos werde die Familie ab August jedoch nicht. „Wir erleben eine große Welle an Hilfsbereitschaft und haben schon mehrere Wohnungsangebote bekommen“, erzählt Zapp. „Das stimmt uns optimistisch, um den Wiederaufbau anzugehen.“

Laut Schmitz ist es der dritte Großbrand in Leichlingen in diesem Jahr. Der letzte ereignete sich am 5. Juni in Witzhelden. Dort war ein etwas abgelegenes Fachwerkhaus an der L294 im Bereich Krähwinkel abgebrannt. Auch damals wurde die Bevölkerung über die Warn-App „Nina“ alarmiert. Eine Brandursache konnte in Krähwinkel nach Aussage der Polizei nicht ermittelt werden. Zu groß seien die Schäden an dem Haus gewesen.