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Leichlingen: "Deutschland singt" im Pilgerheim Weltersbach.

Aktion zum Tag der Einheit in Leichlingen : Deutschland sang im Pilgerheim

Das bundesweite Projekt am Tag der Einheit fand auch im beschaulichen Weltersbach statt. Die gleichen Lieder, die gleichen Gefühle – doch die Corona-Pandemie forderte ihren Tribut.

30 Jahre Deutsche Einheit. 75 Jahre seit Kriegsende. Am Tag der Einheit am Samstag sollte sich die Nation im Gesang vereinen. Das bundesweite Projekt „Deutschland singt“ sollte an vielerlei Orten Menschen zusammen und zum Singen bringen. Die gleichen Lieder, die gleichen Gefühle – eine Nation. Auch im Pilgersheim Weltersbach wurde daher gesungen. Wenngleich auch hier Corona einen Strich durch den so tollen Plan machte.

Denn eigentlich hatten sich viele der Bewohner im Freien verabredet. Mit einer Kerze in der Hand sollte dann gemeinsam musiziert werden. Für die angemessene Unterstützung war der Bläserchor der evangelischen Kantorei Leichlingen ins beschauliche Weltersbach gekommen.
So aber wurde die Veranstaltung in die Kirche gelegt, in die nur 30 Personen hinein durften. Die Bläser mussten dabei wegen der Aerosole im Foyer spielen – durch Glas von den Singenden getrennt. „Das ist wirklich schade“, betonte Projektleiterin Sibylle Becker.

Für die 62-Jährige ist der Tag der Deutschen Einheit ein besonderer. „Für mich“, betonte sie, „ist das ein Feiertag.“ Die Lebensgeschichte der Wahl-Leichlingerin spielt bis zum zweiten Lebensjahr in der DDR. Genaue Erinnerungen hat sie natürlich nicht, ihre Eltern aber rissen damals mit ihr und ihrer Schwester aus – in den Westen. So war die Flucht innerhalb der Familie oft Thema.

Kurz bevor die Mauer gebaut wurde, floh die Familie zu Bekannten. Es war die Zeit, in der selbst Kinder dafür benutzt wurden, eventuelle Systemkritiker aufzuspüren. „Meine Eltern waren immer sehr gegen das System. Das hätten sie vor uns Kindern nicht geheim halten können“, berichtete Becker.

Eine ähnliche Geschichte weiß Zeitzeuge Dieter Leopold zu erzählen. Er wuchs als Ost-Berliner auf, arbeitete in einem großen Blumencenter. Sein Sohn war am 8. Oktober 1989 über Ungarn und Österreich in den Westen gereist. „Das war ein herber Schnitt für uns“, berichtete der 77-Jährige. „Wir wussten ja nicht, wann wir uns wiedersehen würden.“

Leopold war einer jener Menschen, die die Veränderungen nach der Wende den Job kosten sollte. „Die Marktwirtschaft hat uns völlig überrollt“, erzählte er. Groll hegt er aber nicht - im Gegenteil, wie Leopold betont: „Das Ende der DDR war für mich eine Befreiung.“

Gleichwohl: Das Verhältnis zwischen Ost und West scheint noch immer ein wenig schwierig. Die damaligen Klischees halten sich. Auch Sibylle Becker stellt diesen Umstand heraus. Das Verhältnis in ein, zwei Sätzen zu beschreiben, fällt ihr schwer. Und doch gelingt es: „Ich glaube, das muss noch zusammenwachsen. Wir müssen uns einfach treffen, miteinander reden – dann klappt das.“