Zwei Wehre sollen verschwinden Damit die Lachse wieder wandern können

Leichlingen · Beim Mühlentag an der Mühle im Sinneswald konnten Besucher nicht nur Geschichte entdecken. Sie erfuhren auch, dass Kultur wieder Natur weichen muss.

 Dieses Wehr kommt weg für die Lachse, haben Wicze Braun und Wolfgang Brudes entschieden.

Dieses Wehr kommt weg für die Lachse, haben Wicze Braun und Wolfgang Brudes entschieden.

Foto: Miserius, Uwe (umi)

Allen Widerständen zum Trotz zieht sein Instinkt den Lachs kurz vor der Laichzeit in das Gewässer zurück, in dem er einst aus dem Ei geschlüpft war. Die Reise kommt einem Wunder gleich. Nicht nur, weil die Lebewesen die Route genau zu kennen scheinen, sie überwinden dabei zudem den stetigen Gegenstrom des Flusses, und selbst Höhenunterschiede machen ihnen nur kurz Mühe. Doch der Mensch griff in der Vergangenheit auch in Leichlingen in dieses empfindliche Naturschauspiel ein. Jetzt sollen die Hindernisse beseitigt werden. Das berichtete Wicze Braun am Rande des Deutschen Mühlentags des Deutschen Mühlenverbands. Der zog wie schon in der Vergangenheit erneut viele Schaulustige und Wissensdurstige auf das Gelände von Braun und ihrem Partner Wolfgang Brudes, deren heutiges Zuhause einst eine Mühle mit angeschlossenen Produktionsstätten war. Das Paar gab dabei eine kleine Führung durch das alte Gemäuer, deren Natursteine im 14. Jahrhundert im nahen Steinbruch abgebaut wurden. Von dort stammen auch Teile der hohen Mauern von Schloss Burg, berichtete Braun. Zunächst wurde dort, wo heute Kunst und Literatur ihre Heimat in der Blütenstadt haben, Teile von Ritterrüstungen poliert. Später stellten findige Unternehmer Messergriffe aus Rinderknochen her. Über die Jahrhunderte hielten so unterschiedlichste Unternehmungen in den Mauern Einzug, wie eine Spinnerei oder eine Drahtzieherei. Sie alle eint, dass sie sich die Kraft des Wassers zunutze machten. Diese Kraft kam mit dem benachbarten Murbach ins Tal, dessen Energie über ein längst der Vergangenheit angehörenden Mühlrad ins Innere fand. Dafür wurde der Bachlauf abgezweigt und durch eine Kammer geführt, in der sich das Rad befand. Das Gewölbe ist noch heute begehbar, doch durch das Hochwasser vor drei Jahren weiterhin so mit Lehm verschmutzt, dass Besucher auch an diesem Mühlentag leider keinen Blick erhaschen konnten. Führte der Bachlauf mal zu wenig Wasser, sorgte der Mühlteich für ein sich weiter drehendes Rad. „Wir kennen den Murbach mittlerweile eigentlich nur noch mit zu viel Wasser“, betonte Braun vielsagend. Genau dort, wo sich der Mühlteich befindet, ist auch eines der beiden Wehre verbaut, die nun zum Wohle der Fische verschwinden. Das andere findet sich weiter unterhalb des Laufs. „Wir geben zwei unbefristete Staurechte auf“, kündigte Braun an. „Wir machen das, um der Natur einen Schub zu geben.“ In Zukunft können sich die Fische also wieder freier den Strom hinauf oder hinab bewegen, so die Hoffnung. Der Wupperverband übernimmt die für Sommer geplanten Baumaßnahmen. Laut Braun übernimmt das Land die Kosten durch eine Förderung.