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Leichlingen Der Orgelsommer kann kommen, sagt Kantor Ehret

Kirche und Corona : Der Orgelsommer kann kommen – unter Vorbehalt

Kantor Carsten Ehret hat in der evangelischen Kirche Leichlingen acht Konzerte für den Orgelsommer geplant. Kollegin Pia Gensler probt an der katholischen Kirche mit ihrem Kirchenchor online das Brahms-Requiem.

Das Programm für den diesjährigen Leichlinger Orgelsommer steht. Wie immer hat Kantor Carsten Ehret im Frühjahr die Planung für acht sommerliche Freitagskonzerte längst festgezurrt. In diesem Jahr weiß er allerdings nicht, ob davon überhaupt eines stattfinden wird. Ob sie eventuell mit begrenzter Zuhörerzahl und Abstandsregeln erlaubt sein werden? Augenblicklich sieht er sich nicht einmal in der Lage, einen Plan B zu entwerfen. „Die Vorgaben ändern sich ja alle par Tage“, sagt er.

Was möglich sei, würde die Kirchengemeinde zeitnah entscheiden und dabei den Vorgaben von Land und Kommune folgen. Die Landeskirche gebe auf dieser Basis lediglich Empfehlungen. Die Kollegen, die er für den Orgelsommer als Gastorganisten verpflichtet hat, befinden sich alle in derselben Lage und wissen, dass jede Zusage auch wieder zurückgenommen werden kann.

Das Orgelspiel ist derzeit die einzige Tätigkeit des Kantors, die noch möglich ist. In allen anderen Bereichen seiner Arbeit hat er mit Menschen zu tun. Chorproben finden nicht statt. Das für Ende März geplante Passionskonzert des Figuralchores wurde abgesagt und lässt sich wegen des Programms auch nicht einfach in den Herbst verschieben. Für 2021 habe er bereits andere Pläne, so Ehret. Die Wiederaufnahme wäre in zwei Jahren denkbar. Auch das Frühjahrskonzert der Kantorei-Bläser kann nicht stattfinden. Carsten Ehret nutzt die Zeit nun zum Orgelüben und stellt sein Spiel regelmäßig auf Youtube ein. Jeden Sonntag kommt ein thematisch passendes Orgelwerk.

Ohne Menschen - das geht in dem Job gar nicht. „Und in meinem Leben auch nicht“, sagt Ehrets katholische Kollegin Pia Gensler. Ihre umfangreiche Chorschule pausiert ebenfalls - notgedrungen. Und sie schätzt, dass es mühsam wird, nach der Corona-Krise die Kinder und Jugendlichen wieder einzufangen.

Das geplante Familien-Erlebniswochenende mit viel Musik wird wohl nicht stattfinden und: „Den Evensong am 8. Mai werde ich absagen.“ Vorher gebe es gar keine Möglichkeit, mit dem Kammerchor zu proben. Und wenn das irgendwann wieder möglich sei, sollte dieses liturgische Konzertformat auch nicht mehr in der kleinen alten Kirche, sondern im größeren Gotteshaus St. Johannes-Baptist stattfinden. „Ostern war so still“, bedauert Pia Gensler. „Kein Osterjubel, nur der Pastor und ich - und die Orgel.“

Immerhin hat sie die Proben mit ihrem Kirchenchor - jedenfalls mit einem technisch affinen Teil - wieder aufgenommen. Die finden per Videokonferenz über „Zoom“ statt. Zugeschaltet seien 30 bis 40 Leute. „Es ist allerdings eine One-Woman-Show“, erklärt die Kirchenmusikerin. Um Kapazitäten zu sparen, sei nur sie im Bild, wenn sie das Einsingen leite und anschließend Chorsätze aus dem Brahms-Requiem vorspiele und -singe.

Eine Probe, ohne etwas zu hören, das sei schon seltsam. Sie könne die Stimmen nicht kontrollieren, nicht einmal sehen, was die einzelnen so machten. Und einen echten Chorklang gebe es natürlich auch nicht. Aber wenn das Konzert im Herbst stattfinden soll, muss jetzt geübt werden. „Das ist immerhin ein schweres Stück“, sagt sie.

Auf die Online-Proben habe sie ein Kollege gebracht, bei dem sie ihre Chormitglieder zuerst Probehören ließ. Dann habe sie eine Umfrage gestartet, um sicher zu gehen, dass ein entsprechendes Angebot wirklich erwünscht ist. „Die sind alle froh, sich auf diese Weise regelmäßig zu treffen.“