Leichlingen: Der Erbauer des Müllerhofes ist gestorben

Leichlinger mit 89 Jahren gestorben: Otto Kunze wollte auf Müllerhof traditionelle Landwirtschaft betreiben

Der Erbauer des Müllerhofes, einem prächtigen Gutshof nach oberschlesischem Vorbild, ist im Alter von 89 Jahren gestorben.

Sein Lebenstraum wird leider nicht mehr wahr: Otto Kunze, der Erbauer des Müllerhofes ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Er hatte auf dem prächtigen Gutshof nach oberschlesischem Vorbild mit traditionell betriebener Landwirtschaft effektiv und im Sinne einer Kreislaufwirtschaft vernünftige Erträge erzielen wollen.

Kunze, 1929 in Schlesien geboren, wuchs in der Landwirtschaft auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste er die alte Heimat verlassen und radelte 1945 nach Düsseldorf. Von der Stadt am Rhein hatte ihm sein Vater erzählt. Dort baute er mit viel handwerklichem Geschick eine erfolgreiche Schreinerei auf. Dabei verschaffte er sich einen besonderen Ruf durch anspruchsvolle kunsthandwerkliche Arbeiten.

Otto Kunze erschuf in Leichlingen den Müllerhof. Foto: Gerd Ribbeck

Diese Begeisterung für Details steckte er viele Jahre später auch in den Müllerhof. Nach dem Kauf des Areals ließ er die alten Gebäude abreißen und eine prächtige Hofanlage nach historischen Vorbildern errichten, die aussieht, als wäre sie aus der Zeit gefallen - komplett mit Türmchen, Erkern, Galerien und reihenweise Gauben.

"Das ist alles grundsolide gebaut, mit großer Akribie und besten Materialien", bescheinigt auch Gerd Ribbeck. Der Leichlinger Schreinermeister und Massivholzbauer lernte Kunze vor etwa 25 Jahren kennen. "Weil ich so neugierig war und auf dem Gelände einfach mal nachgefragt habe, was dort passiert", erzählt Ribbeck. So habe er sich mit Kunze angefreundet - und ihn vor einem Jahr mit seinem Vater Gerhard Ribbeck bekannt gemacht. Auch der ist, wie Kunze, in der Landwirtschaft großgeworden. "Die beiden haben sich auf Anhieb prächtig verstanden", sagt Gerd Ribbeck.

Schlesien in Leichlingen: Gutshof historischer Prägung. Foto: Gerd Ribbeck

Von seinem Kindheitstraum erzählte Kunze auch dem Düsseldorfer Bauprojekt-Planer Rainer Kohl. "Kunze wollte einen klassischen Gutshof mit Pferden und Pflügen statt Traktoren bewirtschaften", schildert Kohl: "Da ihm die Mühsal der zu verrichtenden Arbeiten durch den elterlichen Hof sehr präsent waren, hatte er eine Vielzahl von Prozessoptimierungen in das Gebäude eingeplant, um am Ende des Tages mit traditionell betriebener Landwirtschaft effektiv und im Sinne einer Kreislaufwirtschaft vernünftige Erträge zu erzielen." Kunzes Familie - er hat vier Töchter - sollte mit Anhang auf dem Hof ihr Domizil finden, so der Plan.

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30 Jahre baute Otto Kunze an seinem Traum. Doch die Zeit lief ihm davon. Die moderne Landwirtschaft entwickelte sich dramatisch weiter. Inzwischen ließe sich der Hof - trotz der durchdachten, optimierten Prozessabläufe - nicht mehr wirtschaftlich betreiben.

Zudem haben sich auch die Lebensentwürfe seiner Töchter anders entwickelt, so dass Otto Kunzes Traum nun nicht mehr wahr wird.

Foto: Gerd Ribbeck

Der Müllerhof geriet zum Politikum

2004 besuchte der städtische Bauausschuss bei einem Ortstermin den Müllerhof. Anlass waren Zweifel von einzelnen Ausschussmitgliedern daran, dass die Hofgebäude aufgrund ihrer riesigen Ausmaße nur für die Landwirtschaft konzipiert sind. Spekuliert wurde stattdessen eine Pferdepension oder ein Hotel. Beides wäre aber in dem Außenbereich im Landschaftsschutzgebiet, in dem der Müllerhof liegt, nicht zulässig. Die kritischen Fragen des Ausschusses verliefen damals im Sande.

(RP)