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Leichlingen: Corona sorgt für längere Reha-Aufenthalte

Leichlinger Fachklinik Roderbirken : Corona sorgt für längere Reha-Aufenthalte

Die Pandemie schlägt aufs Herz und auf die Psyche, haben die Experten der Klinik Roderbirken festgestellt. Der Ausnahmezustand belaste die Patienten zusätzlich.

Ängste und Unsicherheiten in Bezug auf die private und berufliche Zukunft in der Corona-Krise belasten zurzeit viele Patienten, die sich in der Leichlinger Klinik Roderbirken von einem schweren Eingriff erholen. Sie seien anfälliger für depressive Verstimmungen, wie Schlafstörungen, Freudlosigkeit oder sozialem Rückzug, berichtet Peter Thönes, Leiter des Psychologischen Dienstes in der Klinik. Auffällig sei ebenfalls, dass Patienten Lust und Interesse an Dingen verloren, an denen sie sich zuvor erfreuen konnten.

Insofern sei der therapeutische Aufwand – im Gegensatz zur Vor-Corona-Zeit – enorm gestiegen. Häufiger seien Einzelgespräche nötig, Krankheitsverarbeitungsprozesse dauerten länger. „Corona wirkt wie Brennglas und verstärkt die Probleme und Risikofaktoren zusätzlich“, beschreibt Thönes die Gefahr von Corona aus psychologischer Sicht. Herzpatienten seien doppelt belastet, wenn sie einen mehrwöchigen Krankenhaus-Aufenthalt „unter Corona-Bedingungen“ nach einer lebensbedrohlichen Erkrankung hinter sich hätten. Das führe meist zu einem längeren Aufenthalt in der Reha.

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Und auch das Virus selbst stellt für das Herz eine Gefahr dar. „Es ist nicht ungewöhnlich“, sagt Kardiologe und Chefarzt Wolfgang Mayer-Berger, „dass Viren den Herzmuskel befallen und Entzündungen – der Fachbegriff lautet Myokarditis – auslösen können.“ Ob Corona ebenfalls dafür verantwortlich sei, müsse noch geklärt werden. Eventuell schädige das Virus den Herzmuskel, so dass eine Herzschwäche zurückbleibe. Im schlimmsten Fall führe das zu einem Gefäßverschluss, erläutert Mayer-Berger. Wenn sich dann ein Blutgerinnsel, also eine Thrombose bilde, könnten Gefäße verstopfen und Gewebe absterben. Die Folgen: Herzinfarkt, Schlaganfall oder Lungenembolie.

Er persönlich sehe aus diesem Grund die Impfung als einzige Lösung des Problems. Mayer-Berger: „Ich selber würde nehmen, was kommt.“ Nach bisherigen Erfahrungen könnten schwere und tödliche Verläufe bei zweifach Geimpften zu 90 Prozent verhindert werden. Selbst 14 Tage nach der ersten Impfung sei ein gewisser Schutz vorhanden.

Um dem Corona-Blues aktiv entgegenzuwirken, empfiehlt Psychologe Thönes, gewohnte Hobbys und Vereinsaktivitäten – eventuell in veränderter Form – beizubehalten. Veränderung sei eine Chance, etwas Neues auszuprobieren. Dauerhaft zu bedauern, was alles nicht gehe, sei nicht nützlich. Besser sei es, nach Alternativen zu suchen. Ein Online-Abendessen könne zum Beispiel sehr lustig werden.

Sinnvoll sei, Nachrichten auf ein bis zwei Angebote pro Tag zu beschränken. Der permanente Konsum von „Medien-Hiobsbotschaften“ schüre latent vorhandene Ängste. Wer im Homeoffice arbeite, sollte genügend Pausen einplanen und Arbeiten nach Möglichkeit nicht in die Abendstunden verschieben.

Home-Schooling, Kinderbetreuung, berufliche Videokonferenzen, Hausarbeit: Alles auf kleinem Raum unter einen Hut bekommen, sei nicht einfach und müsse – um Konflikte zu vermeiden – aufeinander abgestimmt werden. Aus der Stressforschung sei bekannt, wie wirkungsvoll Entspannungstechniken und Bewegung – wenn möglich an der frischen Luft – wirkten, um einer erhöhten Dauerbelastung langfristig standzuhalten. Zu den klassischen Entspannungsverfahren wie Autogenes Training und Yoga gebe es viele Anleitungen im Internet, so dass für jeden Geschmack etwas dabei sei, sagt Thönes.