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Leichlingen: Corona lässt Andrang bei der Tafel steigen

Geldsorgen in Leichlingen : Corona lässt Andrang bei der Tafel steigen

Auch aus anderen Städten fragen Bedürftige mittlerweile an. Die Leichlinger Tafel gehört zu den wenigen, die weiterhin geöffnet haben.

Für Dutzende Blütenstädter ist die Moltkestraße 25 ein fester Anlaufpunkt. Zweimal die Woche können sie sich bei der Leichlinger Tafel für einen winzigen Obulus mit gespendeten Lebensmitteln versorgen. Auch während der Pandemie. Auch jetzt, wo einige Tafeln im Umkreis eben wegen Corona geschlossen haben. „Wir haben noch keinen Tag zu gehabt“, berichtet Helga Paul, die Vorsitzende des Tafelvereins, stolz.

Allerdings sei dies auch ein Kraftakt. Denn die Arbeit verteile sich auf weniger Hände als sonst. „Einige ältere Helfer bleiben aus Angst vor Ansteckung zu Hause“, sagt die 73-Jährige. „Und bei den schon zweimal Geimpften gibt es Ausfälle durch andere Krankheiten.“

Dass die Ausgabe dennoch weiterlaufe, sei dem guten Miteinander der Ehrenamtlichen geschuldet. „Wir stemmen es gemeinsam. Dafür ist eine gute Organisation und Koordination unerlässlich.“ Auch unter dem Gesichtspunkt, dass sich Mitarbeiter und Kunden möglichst nicht mit dem Virus anstecken. „Deshalb achten wir sehr auf das Einhalten der Hygieneregeln“, erklärt Paul.

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Das bedeutet konkret: Die Kunden erhalten an den beiden Ausgabetagen Nummern, werden der Reihe nach aufgerufen, müssen ihre Taschen am Eingang lassen, Maske tragen, sich die Hände desinfizieren, erhalten Tafel-eigene Einkaufskisten und dürfen dann maximal zu dritt an die Ausgabetheke treten und sich aussuchen, was sie haben möchten. Es habe etwas gedauert, bis sich das ganze Prozedere eingespielt habe. „Aber nun halten sich alle dran“, berichtet die Vereinsvorsitzende. „Die Leute sind froh, dass sie noch kommen dürfen.“

Die Tafel erhalte sogar mittlerweile Anrufe von Bedürftigen aus anderen Städten, in denen die dortigen Einrichtungen vorübergehend geschlossen sind. „Aber die können wir nicht auch noch versorgen“, bedauert Helga Paul. „Zu uns dürfen nur Leichlinger kommen.“

Man merke die Auswirkungen der Pandemie deutlich. „Gott sei Dank hatten wir noch keinen Corona-Fall in der Belegschaft oder unter den Kunden“, berichtet sie. „Aber das Geld ist in vielen Familien knapper geworden.“ 450-Euro-Jobs in Cafés und Restaurants – häufig ein Zubrot von Müttern mit kleinen Kindern - fielen weg, Überbrückungsgeld reiche nicht aus oder werde erst verspätet gezahlt. Ein Problem auch für Menschen, die eine Anschaffung getätigt hätten und diese nun nicht abbezahlen könnten. „Zu uns dürfen ohnehin nur Menschen kommen, die eine Berechtigung vom Sozialamt vorlegen können.“

Dorothea Jores ist seit Jahren ehrenamtlich bei der Leichlinger Tafel tätig. „Alle Mitarbeiter versuchen unter allen Umständen, die Tafel offen zu halten, was nur mit hohem, persönlichen Einsatz, insbesondere unserer sehr engagierten Leiterin, möglich ist“, bestätigt die 72-Jährige. Sie hat vor ihrer Pensionierung in der Kinder- und Jugendhilfe bei der Stadt Leichlingen gearbeitet. Nun hilft sie vor allem beim Sortieren und Einlagern der Lebensmittel. Früher nur einmal die Woche, im Moment öfter.

„Es ist dringend notwendig in der Gesellschaft, dass solche Arbeit geleistet wird“, lobt ihr Mann Peter Jores. Der 74-Jährige war früher als Jugendsozialarbeiter an sozialen Brennpunkten in Düsseldorf, Leverkusen und zuletzt Leichlingen beschäftigt. Heute engagiert er sich in der Seniorenbetreuung bei einer Gewerkschaft. „Es gibt viele deutsche und ausländische Mitbürger, die am Existenzminimum herumkrebsen. Darunter zahlreiche Frauen mit Mini-Rente oder Frauen mit kleinen Kindern.“ Denen könne die finanzielle Not durch die Leichlinger Tafel etwas genommen werden. „Es gibt aber noch viele andere, die auch kommen dürften, weil sie nur wenig haben, aber lieber auf trockenes Brot beißen, anstatt zur Wohlfahrt zu gehen.“

An der Moltkestraße gibt es mehr als nur trockenes Brot. „Wir bekommen zum Glück genügend Lebensmittelspenden“, berichtet Helga Paul. „Auch haltbare wie Nudeln, Reis und Konserven, und ab und zu Tierfutter.“ An vier Tagen die Woche holen die ehrenamtlichen Fahrer die Waren ab. „Auch sie haben immer Desinfektionsmittel dabei, um sich möglichst nicht anzustecken.“

„Die ganzen Maßnahmen sind sehr aufwendig“, sagt Dorothea Jores. Doch auch sie ist stolz, dass die Leichlinger Einrichtung „trotz aller Widrigkeiten während der ganzen Coronazeit immer geöffnet hat“.