Leichlingen: Bürger beschweren sich über Motorradlärm

Anwohner verärgert : Gemeinsam gegen den Motorradlärm

Die Geräuschkulisse sei mittlerweile unerträglich. Die BWL will sich nun mit der Stadt Wermelskirchen zusammentun.

Wenn andere die ersten Sonnenstrahlen am Morgen genießen, wünscht sich Hans Hörner Regen. Nicht, weil er keine Sonne mag. Aber Sonne bedeutet auch immer Motorradwetter. Und wenn die Zweiräder wieder in langen Kolonnen über die Kirchstraße in Leichlingen donnern, kann Hans Hörner sein gemütliches Frühstück im Garten vergessen. „Der Lärm ist so unerträglich, dass wir unser Gespräch ständig unterbrechen müssen. Sonntage, so wie wir sie früher hatten, sind Vergangenheit.“

Mit dieser Meinung steht der Leichlinger nicht alleine da. „Zwischen April und Oktober, an allen schönen Abenden, an Feiertagen und am Wochenende ist es besonders schlimm“, sagt auch Gerd Wypior, der an der Kirchstraße rund 150 Meter Luftlinie von der bei Bikern beliebten S-Kurve entfernt wohnt. Er wird sogar manchmal nachts wach, weil selbst dann Motorradfahrer unterwegs sind und voll aufdrehen. In zahlreichen Foren werden die Strecken in Leichlingen und Witzhelden extra als schöne Motorradrouten ausgewiesen, hat Wypior entdeckt. „Und seit es einige Bürger in der Eifel geschafft haben, die Motorradfahrer zu verjagen, indem Straßen gesperrt wurden, kommen die alle zu uns“, so sein Eindruck.

Beide, sowohl Hörner als auch Wypior, betonen, dass sie nichts gegen Biker haben. „Aber das Maß in Sachen Lärm ist voll“, so Hörner. „Überall am Arbeitsplatz wird Lärmschutz groß geschrieben – und hier passiert nichts? Der Lärm tut der Stadt nicht gut, schließlich sind viele ältere Bürger bewusst wegen der Ruhe nach Leichlingen gezogen.“

Gerd Wypior hat sich mittlerweile an Bürgermeister Frank Steffes gewendet und Antwort von einer Mitarbeiterin der Unteren Straßenverkehrsbehörde bekommen. Darin heißt es, dass die Stadt auf den von Motorrädern ausgehenden Lärm keinen Einfluss nehmen könne. Die Kirchstraße sei für alle Verkehrsarten zulässig, es sei daher nicht möglich, sie für Motorräder zu sperren. Bei Geschwindigkeitskontrollen an der Kirchstraße habe man außerdem keine Verstöße festgestellt, auch Unfälle mit Zweirädern kämen dort nicht gehäuft vor.

„Aber es geht ja auch nicht um Raserei“, sagt Wypior, „sondern um den Lärm.“ Für extra Lärmpegelmessungen ist jedoch der Landesbetrieb Straßenbau zuständig. Dafür müsste die entsprechende Straße Teil des sogenannten Lärmaktionsplans sein. „Für die Kirchstraße muss ich ihnen leider mitteilen, dass dies nicht der Fall ist“, heißt es in dem Schreiben der Verwaltung. Und weiter: Der Landesbetrieb muss erst dann aktiv werden, wenn dort verschiedene Anträge oder Beschwerden von Bürgern eingehen.

Einer, der nun endlich etwas ändern will, ist Franz Jung von der Bürgerliste Witzhelden Leichlingen (BWL). Das Ratsmitglied hat von einer entsprechenden Lärmaktion der Stadt Wermelskirchen erfahren. Dort haben der Ausschuss für Bau und Umwelt sowie die Verwaltung dem Rat der Stadt Wermelskirchen eine einstimmige Empfehlung gegeben, einen Forderungskatalog gegen den Lärm zu beschließen. „Das ist eine sinnvolle Sache“, so Jung, der selbst Motorradfahrer ist, aber dennoch sagt: „Denn durch den Motorradlärm ist die Lebensqualität bei uns und im Bergischen generell dermaßen gesunken, dass etwas geschehen muss. Viele Bürger sind genervt, besonders die in den Außenortschaften. Zwischen Solingen und Witzhelden sind regelrechte Rennstrecken entstanden.“ Er selbst habe schon Polizisten bei tempokontrollen begeleitet. „Aber in Sachen Lärm hat die Polizei kaum eine Handhabe, weil auf der Straße andere Lärmwerte entstehen als auf dem Prüfstand.“

Er fordert die Stadt auf, gemeinsam mit der Stadt Wermelskirchen den Forderungskatalog „Gemeinsam gegen Motorradlärm“ zu erstellen. Dabei geht es etwa um jährliche Überprüfungen der Geräuschemission und Geräuschmessungen bei fließendem Verkehr, um Sanktionen „mit abschreckender Wirkung“ und eine Einführung einer absoluten Schallobergrenze in allen Drehzahlbereichen. „Denn Lärm ist eine Sache der Drehzahl und nicht des Tempos.“ Der Bürgermeister habe ihm zugesichert, dass die Stadt Leichlingen auf jeden Fall an der Aktion interessiert sei. Jung: „Der BWL-Antrag wird in einer der nächsten Ausschüsse beraten.“

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