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Leichlingen Beerdigungen zwischen Trauer und Vorsicht

Beerdigungen : Zwischen Trauer und Vorsicht

Die Corona-Pandemie erschwert das Abschiednehmen von Verstorbenen. Wir haben die Regeln zusammengestellt, die derzeit in Leichlingen für Bestattungen gelten. Sie unterscheiden sich von Friedhof zu Friedhof.

Der Verlust eines geliebten Menschen ist für viele ein einschneidendes Erlebnis. Doch wie Familie und Freunde Abschied nehmen und mit ihrer Trauer umgehen können, das hat sich durch die Corona-bedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens verändert. „Das Schwierige ist, dass im Prinzip jeder Friedhof, jede Kirchengemeinde und Kommune unterschiedliche Regeln hat. Wir fragen für jede Beerdigung einzeln an“, sagt Beate Schneider vom Leichlinger Bestattungshaus Schlage.

Laut Ordnungsamt sind die Regeln für Trauerfeiern seit dem 11. Mai. Demnach gibt es für Trauerfeiern im Freien keine Teilnehmerbegrenzung mehr, solange der Abstand von 1,50 Metern eingehalten wird. Das Abstandsgebot gilt auch für Feiern innerhalb der Trauerhallen. Weil aber viele Räumlichkeiten nur begrenzten Platz bieten, wird von den Betreibern häufig eine maximale Personenzahl festgelegt, Plätze werden ausgewiesen. „Den Angehörigen wird da zugemutet zu entscheiden, wen sie zur Feier einladen und wen sie ausschließen“, sagt Bestatter Ralf Aschenbroich.

In der Kapelle des katholischen Friedhofs Johannisberg sind beispielsweise 16 Personen erlaubt, selbige Anzahl gilt für die Halle des Friedhofs Witzhelden. Die des evangelischen Friedhofs hat nach wie vor geschlossen. Hier ist es aber möglich, auf die evangelische Kirche auszuweichen, in der 40 Personen zugelassen sind. Ein Mundschutz ist nur noch Pflicht beim Hinein- und Hinausgehen. Singen ist nicht gestattet, weil dabei besonders viel Aerosol in die Luft gegeben wird.

Aschenbroich und Schneider haben in den vergangenen Wochen aber gute Erfahrungen mit Trauerfeiern im Freien gemacht. Viele Friedhofshallen hatten geschlossen, die Zeremonien wurden deshalb vor die Hallen, Kapellen oder direkt ans Grab verlegt. „Die Trauerfeiern sind jetzt viel individueller. Und draußen, ohne Maske, sind die Menschen befreiter“, betont Aschenbroich.

Vor den Lockerungen war nur der engste Familienkreis zu den Trauerfeiern zugelassen. „Einige Angehörige haben zuerst geschluckt, aber im Nachhinein viel Positives zurückgemeldet. Das war erstaunlich“, sagt Schneider.

Viele hätten das Abschiednehmen als angenehm wahrgenommen, weil sie unter sich gewesen seien und so mit der eigenen Trauer hätten offener umgehen können. „Man muss nicht überlegen: Darf ich weinen oder darf ich nicht weinen? Muss ich durch den Pulk an Menschen laufen? Gucken die nur, wie ich reagiere?“

Aschenbroich berichtet, dass die meisten glücklich gewesen seien, überhaupt eine Trauerfeier veranstalten und der Beisetzung beiwohnen zu dürfen. „Das ist ein wichtiger Schritt im Trauerprozess.“ Zahlreiche Angehörigen hätten durch Besuchsverbote in Heimen und Krankenhäusern schon nicht während des Sterbeprozesses ihren Liebsten zur Seite stehen können. Das mache es umso wichtiger für sie, ihnen Lebewohl sagen zu können, weiß Schneider.