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Leichlingen Auf vier Arbeitslose vor Covid kommen jetzt fünf

Corona-Jahr 2020 in Leichlingen : Auf vier Arbeitslose vor Covid kommen jetzt fünf

Im Pandemie-Jahr 2020 steigt die Arbeitslosenquote in Leichlingen um 0,9 Punkte auf 4,9 Prozent. Besonders die Kurzarbeit verhindert einen noch stärkeren Einschnitt.

Mit Beginn der Pandemie im vergangenen Frühjahr stellte sich für viele Menschen nicht nur die Angst vor dem Virus ein – sondern auch die vor dem Verlust des Jobs. Läden blieben über Wochen geschlossen – so wie es aktuell wieder der Fall ist. Unternehmen trennten sich von vermeintlich verzichtbaren Mitarbeitern.

Auch in der Blütenstadt fragten sich viele Arbeitnehmer, wie ihre berufliche Zukunft aussehen sollte – und das nicht unberechtigt, wie sich anhand der gerade veröffentlichen Zahlen zum Arbeitsmarkt 2020 zeigt. Die gute Nachricht: Der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit wurde 2020 nicht am Jahresende, sondern zur Jahresmitte erreicht.

„Der Arbeitsmarkt im Jahr 2020 war ein ganz anderer als sonst“, sagt Nicole Jordy, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach, die auch für die Blütenstadt verantwortlich ist. „Die Zahl der Arbeitslosen ist pandemiebedingt im Sommer saisonunüblich angestiegen.“ Als sich Deutschland in den warmen Monaten schon wieder halbwegs in Sicherheit wiegte, was die Verbreitung des Virus anging, schnellten die Zahlen tatsächlich so hoch wie im gesamten Jahr nicht: Im Juli und August erreichte die Arbeitslosenquote mit 5,3 Prozent ihren Höhepunkt. Während im Dezember vergangenen Jahres noch 606 Leichlinger ohne Arbeit waren, stieg die Zahl ein halbes Jahr später auf 796 an. Richtung Winter erholte sich der Arbeitsmarkt dann wieder – wenngleich nicht komplett. Die Quote lag mit 4,9 Prozent im Dezember 0,9 Prozentpunkte über dem Wert zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahrs.

Bis Ende 2020 hatten knapp 60 Menschen wieder eine Stelle gefunden. Glücklich, wer sich als Fachkraft oder Spezialist bezeichnen kann: In 80 Prozent der Stellenangebote suchten Arbeitgeber nach Experten ihres Fachs.

Im Vergleich zu Wermelskirchen, überhaupt zu allen Kommunen im Rheinisch-Bergischen Kreis, von denen Zahlen vorlagen, stand die Blütenstadt in absoluten Zahlen durchaus gut da: In Wermelskirchen hatten bereits im Dezember 2019 mehr als 980 Menschen Arbeit gesucht; über den Sommer kletterte die Zahl auf bis zu 1165 im Juli. Ende des Jahres lag sie noch bei knapp über 1000.

Den gesamten Rheinisch-Bergischen Kreis betrachtend zeigt sich, dass die Zahl der Arbeitslosen von 2019 auf 2020 um 18,5 Prozent gestiegen ist. Dabei sind die drei Regionen Oberbergischer Kreis, Rhein-Berg-Kreis und Leverkusen durchaus unterschiedlich stark betroffen und liegen zwischen 13,5 und 23,7 Prozent Plus im Vergleich zum Vorjahr. In 2020 meldeten sich im Bezirk der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach 48.572 Personen arbeitslos; davon hatten 20.639 ihren Job zuvor verloren. Dies ist bei den Zugängen aus Erwerbstätigkeit ein Plus von drei Prozent (600 Personen) im Vergleich zum Vorjahr. Nach einer Ausbildung oder aus einer Ausbildung heraus meldeten sich insgesamt 2782 Menschen arbeitslos, knapp zwei Prozent weniger als 2019. Eine Stelle fanden zum Vergleich 45.112 Personen. Dies sind 9415 oder 17,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote liegt im Kreis bei 6,5 Prozent nach 5,5 Prozent im Vorjahr (Leichlingen 5,1 Prozent).

„Das Instrument der Kurzarbeit (siehe Infokasten) hat den Anstieg bei den Arbeitslosen das ganze Jahr hindurch moderat gehalten“, sagt Jordy weiter. „Die Unternehmen waren und sind darauf bedacht, ihre Fachkräfte zu halten. Von den Entwicklungen und Entscheidungen der nächsten Wochen und Monate wird viel für die regionale Wirtschaft abhängen – ob und wie schnell eine Erholung möglich ist.“ Im Kreis meldeten die Arbeitgeber in 2020 insgesamt 4010 Stellen und damit fast 20 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Das Angebot an freien Arbeitsstellen lag bei durchschnittlich 1218, was einem Minus von 14,8 Prozent entspricht.

Das Problem dabei: Noch sieht sich der Kreis mit der höchsten Arbeitslosigkeit seit 2007 konfrontiert. Um 1384 Personen, also einem Plus von 17,5 Prozent, sei die Zahl auf durchschnittlich 9273 Menschen gestiegen. 16.492 Frauen und Männer meldeten sich demnach neu arbeitslos; dies sind 3498 oder 17,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Fast 7500 von ihnen waren zuvor angestellt, knapp 1000 absolvierten zuvor eine Ausbildung. 15.038 Personen meldeten sich aus der Arbeitslosigkeit ab, fanden also eine neue Stelle.