Leichlingen: 2,4 Millionen für digitale Schulen

Leichlingen: 2,4 Millionen Euro für "digitale Schulen"

Medienentwicklungsplan sieht umfangreiche Investitionen für die nächsten fünf Jahre vor. Finanzierung ist aber unklar.

Nur zwölf von 100 Kindern im Alter zwischen zwölf und 13 Jahren besaßen 2017 in Deutschland kein Smartphone. Das jedenfalls geht aus einer Umfrage von Bit Research unter 926 Sechs- bis 18-Jährigen hervor. Der zufolge sind es bei 16- bis 18-Jährigen sogar nur sechs von 100, die kein internetfähiges Telefon haben. Was im normalen Leben längst selbstverständlich ist, spiegelt sich aber nicht im Schulalltag wider. Auch die Leichlinger Bildungseinrichtungen kranken beim Thema Digitalisierung an mangelhafter technischer Ausrüstung, dürftiger Netzanbindung und ausbaufähiger Fortbildung der Lehrer. Das soll sich nun ändern.

Ein von der Stadt mit Mitteln des NRW-Förderprogramms "Gute Schule 2020" in Auftrag gegebener Medienentwicklungsplan sieht ein Konzept vor, wie die fünf Grundschulen, das Gymnasium, die Sekundarschule und die (allerdings auslaufende) Realschule in den kommenden fünf Jahren ins digitale Zeitalter katapultiert werden soll.

Das 70-seitige Dokument vom Leverkusener Büro Dr. Garbe & Lexis ist im Ratsinformationssystem abrufbar und soll am Donnerstag, 12. April, im nächsten Schulausschuss vorgestelllt werden. Es führt detailliert auf, welche Voraussetzungen dafür erfüllt werden müssen. Dazu gehört die technische Ausstattung (EDV-Arbeitsplätze, neue Verkabelung, WLAN-Hotspots, Server, Software), aber auch die Wartung der Technik sowie die Schulung der Lehrer. Veranschlagt werden Kosten in Höhe von 2,37 Millionen Euro bis 2023.

Vorausgesetzt wird dabei, dass die Schüler in erster Linie ihre eigenen internetfähigen Geräte (Smartphone, Tablet, Laptop) in die Schule mitbringen und dort verwenden. Nur wer kein eigenes hat, soll mit einem Schul-Gerät ausgerüstet werden. Das Konzept geht davon aus, dass die Schulen für jeden fünften Schüler ein Gerät vorhalten sollten.

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Grundvoraussetzung ist dabei ein Anschluss aller Schulstandorte an das Glasfasernetz. Das ist noch nicht der Fall. Bisher dümpeln die Schulen mit Anschlüssen von bis zu 16 Megabit pro Sekunde dahin, die meisten Privatnutzer verfügen schon über 50 MBit-Leitungen.

Allerdings, und auch darauf weist das Konzept hin, ist es mit den rund 2,4 Millionen Euro nach fünf Jahren nicht getan. Denn die Technik veraltet und muss irgendwann ausgetauscht werden (Abschreibungsdauer fünf Jahre) und Wartung sowie Internetzugänge müssen ebenfalls weiter bezahlt werden. Lediglich die verlegten Kabel dürften eine längere Haltbarkeit haben. Die Stadt muss also davon ausgehen, dass sie für ihre "digitalen Schulen" auch nach 2023 jährlich knapp 300.000 Euro für neue Hardware, Software, für Wartung und Internet wird aufbringen müssen, wenn das Projekt nachhaltig sein soll.

Finanziert werden soll das Ganze aus Fördermitteln des Bundes, des Landes und im Idealfall durch Sponsoring. Doch die entsprechenden Fördertöpfe müssen von der neuen Regierung erst noch aufgelegt werden.

Ein weiterer Engpass könnte bei der Schulung der Lehrer entstehen. "Eine gute Ausstattung reicht nicht aus", bringt es der Medienentwicklungsplan auf den Punkt: "Sie muss auch mit einer Veränderung des Unterrichts verbunden werden." Für die dafür notwendige Fortbildung der Lehrer ist das Land NRW zuständig, das dafür seit kurzem die Zahl seiner dafür bereit stehenden Medienberater zwar von 30 auf 60 verdoppelt hat, wie das Büro Dr. Garbe & Lexis ausführt. Dabei entfallen auf den Rheinisch-Bergischen Kreis aber rechnerisch gerade einmal 1,1 Stellen.

(RP)