Leichlingen: Langohr Steffes kapituliert vor närrischer Magie

Leichlingen: Langohr Steffes kapituliert vor närrischer Magie

Mit Frohsinn und Zauberei eroberten die Karnevalisten das Rathaus - trotz bis zuletzt hartnäckiger Gegenwehr des pelzigen Stadtchefs.

Das hätten sich die Karnevalsoberen in der Blütenstadt mal besser vorher überlegen sollen: Wegen ihres diesjährigen Sessionsmottos "Leichlingen ist voller Magie - die Jecken führen hier Regie" hatte die Stadt gestern zwischenzeitlich einen lebensgroßen Rammler als Bürgermeister.

Prinz Michael III. hatte Frank Steffes wie von Zauberhand in ein Karninchen verwandelt, um leichtes Spiel bei der Machtübernahme der Jecken um 11.11 Uhr im Zelt auf dem Rathausvorplatz zu haben. Doch das bürgermeisterliche Langohr gab sich widerspenstig und wollte den Rathausschlüssel auf keinen Fall den Karnevalisten überlassen. Da musste der Prinz mit härteren Bandagen kämpfen: "Wenn Du mir den Schlüssel nicht gibst, bleibst Du ein Leben lang Karnickel", drohte er Steffes, der - obwohl ihm im Ganzkörper-Polyester-Kostüm wahrscheinlich mittlerweile ganz schön heiß war - immer noch nicht klein beigab.

Foto: Peter Thönes

Ganz zu eskalieren drohte die jecke Situation schließlich, als die Tollität ihre vermeintlichen Verbündeten - die Ehrensenatoren des Festkomitees Leichlinger Karneval - zur Unterstützung auf die Bühne rief. Der Bürgermeister wähnte das als Hilfe. Schließlich ist er Senatspräsident der Männertruppe - und hoffte ernsthaft, dass sie seine Macht stärken würden. Doch weit gefehlt. Nicht nur, dass sie ihm moralisch in den Rücken fielen und Prinz Michael zur Seite sprangen, sie warfen auch noch ihre ehrenamtliche Hilfe bei der Essensausgabe der Leichlinger Tafel plus 300 Euro Spende an den mildtätigen Verein in die Waagschale - vom Prinzen auf 500 Euro aufgerundet.

Da konnte Steffes schließlich nicht anders und rückte den Rathausschlüssel mit hängenden Ohren heraus. Den Jecken im vollen Karnevalszelt gefiel es - und zwar nicht nur, dass sie jetzt bis Aschermittwoch die Macht haben, sondern auch wegen der Tatsache, dass Prinz Michael trotz Magen-Darm-Infekts zwei Tage zuvor den Rathaussturm anführte. Ein bisschen blass um die Nase wirkte er zwar noch, aber seine Karnevalslieder schmetterte er trotzdem, als ob kein Virus ihm was anhaben könnte.

Die Jecken im proppevollen Karnevalszelt hatten sichtlich ihren Spaß beim Rathaussturm. Foto: Peter Thönes

Werner Fuchs, Vorsitzender der Vereinigung Leichlinger Karneval, war das allemal ein Dank wert: "Et hätt noch emmer joot jejange - danke, dass wir heute wieder mit Dir auf der Bühne stehen dürfen", wandte er sich an den Prinzen. Und der bekannte an das Jeckenvolk: "Eure vielen Genesungswünsche haben mir Auftrieb gegeben." Einen Vorteil hat die Machtübernahme übrigens für alle Leichlinger: Der neue Chef hat in seinem Regierungsprogramm vorgesehen, dass alle bis Mittwoch in Leichlingen parken dürfen, wo immer sie wollen - und zwar ohne Knöllchen. Hoffentlich hat er das mit den Mitarbeitern des entmachteten Rammlers abgestimmt.

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(RP)