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Leichlingen: Krise bei der Feuerwehr

Leichlingen : Krise bei der Feuerwehr

In der Frage um die künftige Wehrleitung geht ein Riss durch die Reihen der Einsatzkräfte. Ein erheblicher Teil der Mannschaft steht zu Stadtbrandmeister Horst Schmidtberg, wagt dies aber offenbar nicht offen zu sagen.

Aus einigen der über 30 E-Mails, die Kreisbrandmeister Wolfgang Weiden von Leichlinger Feuerwehrleuten bekommen hat und die zu einem großen Teil unserer Redaktion in anonymisierter Form aus Kreisen der Wehr vorliegen, spricht die blanke Angst der Absender.

Sie fürchten, sich offen dazu zu bekennen, dass sie Stadtbrandmeister Horst Schmidtberg gerne als Wehrführer behalten würden. Einflussreiche Kräfte in der Wehr lehnen offenbar eine weitere Amtsperiode Schmidtbergs ab und üben demnach Druck aus. In einer Mail ist in diesem Zusammenhang sogar von "Methoden wie auf der Gorch Fock" die Rede.

Der Stadtbrandmeister, der gestern von unserer Redaktion telefonisch nicht zu erreichen war, hat vor einigen Tagen das operative Geschäft an seinen Stellvertreter Ronald Hillbrenner abgegeben. Dies bestätigte Kreisbrandmeister Weiden auf RP-Anfrage. Offiziell endet Schmidtbergs Amtszeit am 18. März, und Weiden konnte am Montag bereits definitiv sagen, dass die Frage der künftigen Wehrführung bis dahin nicht geklärt sein wird: "Das schaffen wir nicht."

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Die Zugführerebene habe ihm drei Kandidaten für die Wehrleitung übermittelt, mit denen nun Gespräche zu führen seien — Horst Schmidtberg ist nicht darunter. Genannt worden seien der bisherige Stellvertreter Hillbrenner als neuer Chef der Leichlinger Wehr, Bernd Weißhaupt und Andreas Hillecke als neue Stellvertreter. Sehr wahrscheinlich ist, dass Hillbrenner die Wehrleitung ab 19. März zunächst weiterhin kommissarisch übernimmt. Bürgermeister Ernst Müller, das bestätigten sowohl Weiden als auch Mitglieder der Feuerwehr, habe bei einer Versammlung in der vergangenen Woche noch einmal deutlich gemacht, dass er persönlich keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit mit Schmidtberg sehe.

Teile der Mannschaft sehen das anders. Ein Feuerwehrmitglied bezeichnet Schmidtberg als "Kamerad, der gerne hilft und unterstützt, wenn es seine Zeit erlaubt. Horst Schmidtberg hat in meinen Augen nicht die schlimme Profilierungssucht wie einige Kameraden unserer Führungsschicht." Wenn gewählt werden dürfte, habe in seiner Mannschaft Schmidtberg die alleinige Chance, mailte ein anderes Mitglied an Weiden. "Viele haben Angst und sind der Überzeugung, dass — wenn sie sich zu Horst Schmidtberg bekennen — sie dann keine Lehrgänge mehr bekommen", schreibt ein anderes Feuerwehrmitglied. In einer weiteren E-Mail heißt es: "Wir haben am Wochenende mit sechs Kameraden aus unterschiedlichen Löschzügen zusammengesessen und beraten. Wir können unsere Meinung nicht sagen, sonst können wir austreten."

Es gibt auch andere Stimmen. Ein Mitglied schreibt: "Mein Wunsch wäre ein ganz anderes Führungsteam. Kameradschaftlich und kompetent, so wie andere Feuerwehren es haben. Aber ich weiß, dass das wohl eine ganze Generation dauern wird. Kameradschaft in Leichlingen gibt es bestenfalls unter der Mannschaft." Und: "Unsere Führungskräfte haben uns unter das Niveau von vor sieben Jahren gebracht." Damals war die Feuerwehr noch von Edgar Wieden geleitet worden.

Laut Gesetzgeber ist der Kreisbrandmeister bei der Bestellung des Wehrführers der Freiwilligen Feuerwehr weder an das Votum der Mannschaft (die freilich offiziell von ihm angehört werden muss) gebunden, noch an das des Verwaltungschefs. Weiden sagte allerdings auch, dass die Grundlage für eine Fortsetzung von Schmidtbergs Amtszeit entzogen sei, wenn es einerseits eine eindeutige Ansage des Verwaltungschefs gebe und gleichzeitig eine Zerrissenheit innerhalb der Wehr.

An der Basis sind nach Informationen unserer Redaktion aber sehr viele Feuerwehrleute für Schmidtberg. Nur: Sie trauen sich nicht, es offen zu sagen. "Wenn die Wehr ein eindeutiges Votum für Horst Schmidtberg abgibt, würde ich auch mit Bürgermeister Ernst Müller in den Ring steigen", sagte Weiden.

(RP)