Leichlingen: Katholiken und frühe Protestanten lebten in Toleranz

Leichlingen : Katholiken und frühe Protestanten lebten in Toleranz

Ein Vortrag zum Lutherjahr im evangelischen Gemeindehaus beschreibt die Anfänge der Reformation in Leichlingen.

Im Jahr 1593 teilte Pastor Silbert Fabritius in Leichlingen erstmals das Abendmahl in beiderlei Gestalt, also in Brot und Wein aus. Dieses Datum, immerhin gut 70 Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag, gilt als Beginn der Reformation in Leichlingen.

Ganz so klar und einfach ist es dann allerdings doch nicht, erklärte Referent Otto Büchel den Besuchern seines Vortrags zum Luther-Jahr im evangelischen Gemeindehaus. Tatsächlich ist in den alten Kirchenbüchern ein entsprechender Eintrag von Pastor Fabritius zu finden, gab er zu. Allerdings war dieser eigentlich katholisch und vom Deutzer Abt eingesetzt worden, genauso wie sein Nachfolger Pfarrer Peter Kämmerling. Der hatte 1666 behauptet, Leichlingen sei schon 1609 protestantisch gewesen, was allgemein bezweifelt und vom Abt in Deutz vehement bestritten wurde. Das Datum aber war entscheidend, denn wer 1609 schon protestantisch war, durfte es bleiben. Und so hatte Leichlingen eine Lutherische Gemeinde, genauso wie die Orte Richrath, Reusrath, Neukirchen und Opladen, an der Grenze zum erzkatholischen Köln.

Ein bunter Flickenteppich ist die Karte mit farbigen Unterscheidungen von katholischen, lutherischen und reformierten (calvinistischen) Gemeinden, die Büchel zur Veranschaulichung austeilte. Eine Folge der Erbteilungen in den Herzogtümern Jülich-Berg-Kleve, wo man sich sogar innerhalb der engsten Familie für unterschiedliche Konfessionen entschied - und das Volk dann eben mit.

Die Sache mit der Abendmahlspraxis, an der man den Unterschied zwischen katholisch und lutherisch festmachte, sei auch nicht so eindeutig gewesen, erklärte Otto Büchel. "Man machte es so, wie die Gemeinde es möchte". Eine typisch rheinische Lösung, die wohl einzigartig war. Man tolerierte sich gegenseitig, solange alle nur fleißig waren. Katholiken und Protestanten hätten sich in Leichlingen als Gemeinschaft gut verstanden. Und vielleicht sei diese religiös tolerante Art letztlich der besonderen Situation der vereinigten Herzogtümer zu verdanken. Die Situation vor Ort spielte in Otto Büchels Vortrag allerdings nur eine kleine Rolle. Vor allem erklärte er die historischen Zusammenhänge und räumte, angelehnt an die neuste Luther-Forschung mit manchen Mythen oder Vereinfachungen auf.

Stichwort Thesenanschlag. Aushänge seien in der neu gegründeten humanistischen Universität Wittenberg sicher üblich gewesen. Seine Thesen habe Luther vermutlich nicht veröffentlichen wollen, sondern nur an seinen Landesbischof geschickt, mit der Bitte um einen innerkirchlichen Dialog. "Das Begleitschreiben ist fast devot, ein Zeichen, dass Luther nur den Disput mit Fachleuten wollte", sagte Büchel. Wahrscheinlicher sei, dass ein anderer, vielleicht ein Student, die Thesen öffentlich gemacht habe. "Luther muss not amused gewesen sein."

Immerhin wurde so eine Entwicklung losgetreten, durch Gutenbergs neuen Letterdruck noch beschleunigt, die er so nie wollte. Die zu Kriegen führte, zum 30-jährigen und in den Niederlanden zum 80-jährigen Krieg. Mit der Folge von Fluchtbewegungen von Calvinisten aus dem Nachbarland ins katholische Köln oder den Raum Wuppertal und Elberfeld, wo sie als Handwerker und Kaufleute gebraucht wurden.

(mkl)