Kastrationspflicht in Leichlingen zeigt erste Wirkung

Tierhilfe Leichlingen zieht Bilanz : Kastrationspflicht zeigt erste Wirkung

Trotz positiver Entwicklung sucht die Tierhilfe Leichlingen weiterhin Unterstützer – und ein Grundstück, um Tiere unterbringen zu können.

Eigentlich blickt die Tierhilfe Leichlingen auf ein positives Jahr 2019 zurück. Tiere wurden – außer einer fünfköpfigen Degu-Bande – kaum ausgesetzt und die Kastrationsverordnung von 2018 zeigt erste Wirkung. Doch die Herausforderungen bleiben: Der kleine Verein braucht Unterstützung, sowohl finanziell als auch personell.

40 frei lebende Katzen ließ die Tierhilfe Leichlingen im vergangenen Jahr auf eigene Kosten kastrieren und chippen. „Das ist die bislang größte Anzahl an Kastrationen in einem Jahr für uns“, sagt Nicole Meiner, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Tierhilfe Leichlingen. „Für einen kleinen Verein wie unseren ist das schon sehr viel.“ Rund 5000 Euro habe das die Tierhilfe gekostet. Darin enthalten sind nicht nur die Kosten für die Kastration, sondern auch für die anschließende Quarantäne. „Nicht jedes Tier hat den gleichen Genesungsverlauf“, betont Meiner, und spielt damit auf weitere Kosten für Medikamente und eine längere Versorgung an.

Mit den regelmäßigen Kastrationsaktionen, von denen die erste in diesem Jahr bereits am vergangenen Freitag stattfand, ist der Verein einer 2018 eingeführten Verordnung der Stadt nachgekommen, die der Verein selbst gefordert hatte und die die unkontrollierte Vermehrung von Katzen in der Stadt eindämmen soll. Die Einführung sei ein großer Erfolg für die Tierhilfe gewesen.

Nichtsdestotrotz, gesteht Meiner, „ist es eine Herausforderung, mit der wir 2020 durchgängig beschäftigt sein werden.“ Viele Katzenhalter wüssten immer noch nichts über die neue Regelung, dass jede frei laufende Katze kastriert und gechipt sein muss. „Das war eigentlich eine negative Überraschung für uns. Wir versuchen dem durch regelmäßige Aufklärung entgegenzuwirken, verteilen Flyer und suchen das Gespräch mit Tierhaltern“, erzählt Meiner.

Mehr Aufklärung würde sie sich von Tierärzten wünschen. Vielen Haltern sei beispielsweise nicht bewusst, dass der Tierarzt zwar den Chip einsetzt, dass die Tierbesitzer dann aber selbst ihr Tier in einem der Onlineregister registrieren müssen. Kastration und Chip schlagen pro Katze mit zwischen 60 und 100 Euro zu Buche. Die Registrierung ist kostenlos. Die Tierhilfe sei auf ein gutes Miteinander angewiesen, grundsätzlich habe die Bevölkerung positiv auf die Verordnung reagiert. „Die meisten haben Verständnis dafür.“ Nur wenige seien gänzlich beratungsresistent.

Dass sich das Problem mit einer ähnlichen Vorgehensweise wie bei Hunden, die bei der Stadt angemeldet werden müssen, besser handhaben könnte, glaubt Meiner nicht: „Das wäre der falsche Ansatz. Es gibt ein vielfaches mehr an Katzen als Hunde.“ Das sei nicht nur ein immenser bürokratischer Aufwand. „Außerdem gibt es kaum verwilderte Hunde, was bei Katzen anders ist. Wer würde die Verantwortung für sie übernehmen?“ Die Tierhilfe Leichlingen, deren Mitglieder ehrenamtlich aktiv sind, könnte das nicht stemmen. Einige Mitglieder und Helfer betreuen rund acht Futterstellen in der Stadt. „Wir sind unseren Helfern und Pflegestellen unendlich dankbar“, sagt Meiner, die sich mehr tatkräftige Unterstützer wünschen würde. „Doch Ehrenamt scheint ja ziemlich out zu sein.“

Räumlich stieß der Verein schon vor Jahren an seine Grenzen, weshalb die Tierhilfe Leichlingen auf externe Pflegestellen angewiesen ist. „Wir suchen schon lange ein Grundstück.“ Rund 500 Quadratmeter sollte es groß sein, unbebaut, aber erschlossen. Darauf könnte das vorhandene Tier-Containerdorf relativ schnell aufgebaut werden. „Es müsste nur bezahlbar sein.“