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Karnevalsverein „Pappnas un Familich“: Manchmal hilft’s, Theater zu machen

Aufführung im kommenden Februar : Karnevalsverein „Pappnas un Familich“: Manchmal hilft’s, Theater zu machen

Ganz aufs Jecke verzichten? Wollen die Mitglieder des Vereins mit Fokus auf Familienfreundlichkeit auf keinen Fall. Deswegen proben sie nun eifrig für das selbst geschriebene Puppentheaterstück „Kasperle und die goldene Pappnase“, das die Session versüßen soll.

Manche Jahre, das gehört wohl zum Leben dazu, gelten einfach als vergeigt. Was tun als geneigter Jeck, wenn sich alles Grau und so gar nicht nach wildem Vergnügen mit Bützchen hier und Bützchen da anfühlt? Pappnase zurechtrücken und auf eine Extraportion Optimismus hoffen, „frei  nach dem Motto: Ärmel hochkrempeln und das Beste daraus machen!“, sagt Bernd Voss. Trübsal blasen gelte nicht, zumal die nahe – und sogar ferne – Zukunft für den Witzheldener allein in karnevalistischer Hinsicht rosig erscheint. Für Februar nämlich plant die Karnevalsgesellschaft „Pappnas un Familich“, die Voss 2019 mit einem Fokus auf Familienfreundlichkeit gründete und die er als Erster Vorsitzender führt, ein Puppentheater.

Wieso gerade das? „Die Session 2020/2021 soll doch nicht ganz ohne Kamelle und Freude am Brauchtum auskommen“, sagt er. Die Erwachsenen könnten ein paar Monate fern von Festwagen, Kostümen und „Alaaf“ aushalten, und auch Kindern fiele es am Ende wahrscheinlich gar nicht schwer. Aber schöner sei es eben, wenn im von Corona-Maßnahmen gezeichneten Alltag ein wenig Ablenkung wartet – und so führen Voss und ein Teil der 27 weiteren  Mitglieder (von denen die Hälfte unter zehn Jahre alt ist) im Februar „Kasperle und die goldene Pappnase“ auf. Das Stück für Kinder von drei bis neun Jahren, die zur Aufführung gern verkleidet erscheinen und sich auf Kamelle freuen dürfen, hätten Nachbarn geschrieben, „und am Bühnenbild basteln wir gerade“, erzählt der dreifache Vater. Wegen der Pandemie probten Jung und Alt derzeit online. Nur eine digitale Vorführung komme am Ende nicht in Frage, sollte Corona die Darbietung im Pilgerheim Weltersbach trotz aller Schutzmaßnahmen verhindern, „dann finden wir einen Ersatztermin!“ Die Leichlinger Bürger zeigen sich aber mindestens so zuversichtlich wie die Jecken, dass es klappen wird: Ein Drittel der Karten sei schon über die virtuelle Ladentheke gegangen. Die Einnahmen würden für 2022 gespart. „Denn beim Blütensamstagszug mitzugehen, kostet viel Geld“, betont Bernd Voss. Im Frühjahr dieses Jahres waren seine „Pappnasen“ zum ersten Mal mit einem Umzugswagen dabei und wurden gleich Dritte beim Wettbewerb für den schönsten Auftritt. Eine Auszeichnung, die quasi die Kirsche auf der Torte (beziehungsweise dem Berliner) darstellt.

Schließlich hatte sich Pia Voss nur gewünscht, überhaupt einmal auf einem Karnevalswagen mitzufahren; deswegen die Gründung des Vereins. Die Siebenjährige erweist sich aber schon jetzt als legitime Nachfolgerin ihres Vaters, sollte er irgendwann seinen Platz an der Spitze von „Pappnas un Familich“ frei machen wollen. Das Plakat, das das Puppentheater ankündigt, stellte Pia gerade bei Bürgermeister Frank Steffes vor; er ist Ehrenmitglied des Vereins und freue sich, „die Veranstaltung als Schirmherr zu unterstützen“. Wenn es im Februar soweit ist, möchte das Mädchen die Moderation der Aufführungen übernehmen. Angst, eine so große Aufgabe zu vergeigen, kenne sie selbstverständlich nicht. Den Optimismus hat sie vom Papa.