Leverkusen: Kam die Bombe mit der Kies-Lieferung?

Leverkusen: Kam die Bombe mit der Kies-Lieferung?

Die Phosphorbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die sich in der Nacht zum vergangenen Freitag entzündet hatte, soll von außen in die Baugrube gelangt sein – sie kam offenbar per Lkw mit einer Ladung Kies. Das sagte der Polier am Dienstag unserer Redaktion.

Die Phosphorbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die sich in der Nacht zum vergangenen Freitag entzündet hatte, soll von außen in die Baugrube gelangt sein — sie kam offenbar per Lkw mit einer Ladung Kies. Das sagte der Polier am Dienstag unserer Redaktion.

Die Phosphorbombe wurde schon am vergangenen Mittwoch entdeckt. Foto: Kiesewalter, Michael

"Ich bin doch nicht lebensmüde. Wenn ich geahnt hätte, dass das eine Bombe ist, dann hätte ich die doch nicht hier liegen lassen und wäre anderthalb Tage dran vorbeigelaufen!" Hartmut Schmidt, Polier der Kanalbaustelle in der Leichlinger Kirchstraße, war auch am Dienstag noch fassungslos und schockiert.

In der Nacht zum vergangenen Freitag hatte sich in "seiner" Baustelle eine Phosphorbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entzündet. Und die lag nicht etwa unentdeckt in der Baugrube — sie lag auf dem Asphalt. "Wir haben die Bombe nicht ausgebuddelt — die wurde uns geliefert", sagt Schmidt.

"Wir waren in Lebensgefahr"

  • Leichlingen : Bombe in der Baustelle

Am vergangenen Mittwoch um 15.30 Uhr habe ein Lkw der Firma Kipp & Grünhoff Verfüllkies angeliefert; bis zu 70 Tonnen davon werden jeden Tag in die Kirchstraße gebracht. "Der Baggerführer hat dann gesehen, dass da eine Art Rohr drin lag, das sah aus wie eine alte Gasleitung oder ein Hydraulikzylinder", berichtet der Polier. "Jedenfalls wie etwas, was nicht in die Grube gehört, eine Verunreinigung. Also haben wir das Ding rausgenommen und beiseite gelegt."

Der hinzugerufene Sprengstoffexperte habe ihm versichert, die Bombe sehe extrem ungewöhnlich aus. "Ich habe mir Sorgen gemacht, wir waren letztlich anderthalb Tage in Lebensgefahr, weil wir das Ding nicht als Bombe erkannt haben." Bestellt hat Kipp & Grünhoff die Kiesladung laut Prokurist Peter Meier bei einer Firma aus Neuss. Dort jedoch wehrte man sich am Dienstag energisch gegen die Vermutung, die Bombe sei mit der Ladung in die Baugrube gelangt. "Das alles kann ich nicht nachvollziehen", sagt der Chef der Bauschuttfirma. "Bei der Kiesgewinnung wird mehr als 20 Meter tief gegraben, wie soll so eine Bombe so tief kommen?" Stattdessen vertritt er die These, sie sei auf der Leichlinger Baustelle zutage gefördert worden. Der Kies wird in Garzweiler gewonnen, mit ihm wäre die Bombe 30 Kilometer weit transportiert worden.

Eine Phosphorbombe mit einem verrosteten Stück Rohr zu verwechseln, schloss ein Experte vom Kampfmittelräumdienst am Dienstag aus, die Form sei zu eindeutig. Er betonte, es sei nicht fahrlässig nicht zu wissen, ob es sich um eine Bombe handelt, "aber es ist fahrlässig, den Fund einfach achtlos an die Seite zu legen und die Behörde nicht darüber zu informieren. In jedem Fall sollte man sich bei solchen Dingen immer an die Behörden wenden", sagte der Experte.

Ob die Nachlässigkeit Folgen hat, soll nun das Ordnungsamt der Stadt Leichlingen ermitteln. Die Polizei Bergisch Gladbach hat ein Ordnungswidrigkeitsverfahren weitergeleitet, das klären soll, ob ein Verstoß gegen die Kampfmittelverordnung vorliegt. Noch gibt es keinen Beschuldigten. Sollte ein Verantwortlicher gefunden werden, droht ein Bußgeld.

(RP)
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