Leichlingen: KaDeWe-Chefin aus dem Bergischen

Leichlingen: KaDeWe-Chefin aus dem Bergischen

Wer mit dieser Frau durchs Mekka des Einkaufens pilgert, muss sich von jedem Klischee nervtötender Shoppingtouren an der Seite unentschiedener Damen verabschieden. Diese Frau ist entschieden. Und vor allem mag sie es schnell. Wer Rennrad, Skifahren und Windsurfing als Hobbys angibt, will auch im Beruf schnell nach vorne.

Mit 20 machte sie ihr Abitur in Leichlingen, mit 26 war sie Diplom-Kauffrau, mit 28 Geschäftsführerin kleinerer Karstadt-Filialen, mit 36 Chefin in Mülheim, mit 41 Chefin in Köln, und jetzt ist sie auf dem Gipfel ihrer Branche angekommen: Ursula Vierkötter (44) leitet das renommierteste Kaufhaus des Kontinents, das KaDeWe in Berlin.

Wir treffen sie am Eingang vom "Kaufhaus des Westens". Dort, wo Damenhandtäschchen schon für niedrige vierstellige Beträge die Frau von Welt beglücken können. Vierkötter hält sich damit nicht lange auf, zieht den Besucher lieber zügig zum Lichthof, dem Herzen des Hauses, wo das KaDeWe mit wechselnden Ausstellungen schnell auf aktuelle Themen reagieren kann.

Zwar setzt sie weiter auf die "A-Marken", auf die "Leuchttürme", mit denen sie an der Profilierung des Hauses festhält. Daneben aber entwickelt sie deutlich mehr Raum für "schnelldrehende Labels", mit denen sie auf die "extrem schnelle Entwicklung des Marktes" reagiert. Dafür hat sie auf verschiedenen Etagen so genannte "Multi-Label-Flächen" geschaffen, auf denen sie "Trends schnell ins Haus bringen kann".

Vierkötter bringt also Tempo in den Laden, der seit über hundert Jahren erste Adresse der Hauptstadt ist. Mag das Kaufhaus-Konzept auch überall in Deutschland an Grenzen stoßen, mit der Berufung von Vierkötter will der Konzern offenbar beweisen, dass auch ein Hundertjähriger noch frisch wirken kann.

Das Prinzip aus Erkennen und Beweisen stand schon am Anfang von Vierkötters Kaufhaus-Karriere. Bereits während des Studiums hatte sie sich an vielen Verkaufsständen erprobt. Den Karstadt-Verantwortlichen sagte sie dann, was sie besser machen könnten.

Deutliche Spuren hinterließ sie vor allem als Chefin des Kölner Karstadthauses. Sie verwandelte es in eine Wohlfühlstätte für die Frau ab dreißig. Kurz darauf war sie Chefin in Berlin. Mit mehr als einem Koffer in der Hauptstadt – und Sohn und Lebensgefährtem in der Domstadt – lebt sie nun an zwei Orten.

Ihre Philosophie für das Flaggschiff der Warenhauswelt bekam das KaDeWe schnell zu spüren. 29 Marken flogen raus, oder – wie sie selbst sagt –"wurden ausgetauscht", 45 neue holte sie rein. Denn: "Nichts ist ein Selbstläufer, alles muss täglich auf den Prüfstand." Schließlich wollen sich täglich bis zu 180.000 Kunden bestätigen und überraschen lassen.

Bei 35.000 Produkten allein im Schlemmerparadies des Hauses kann schon mal was schiefgehen. Der "Wildlachs" fiel bei Stiftung Warentest als "Zuchtlachs" durch. "Ein Lieferant hatte die Ware falsch beschriftet, den haben wir sofort ausgetauscht", sagt Vierkötter.

Mit Verkaufen kennt sich die gebürtige Dinslakenerin, die ihre Jugend in Leichlingen verbrachte, von Kindsbeinen an aus. Schon die kleine Ursula bastelte beim Strandurlaub an der Nordsee mit Schwesterchen Doris kleine Muschelgestecke. Die verkauften die Schwestern dann an einem kleinen Verkaufsstand – und freuten sich über jeden Groschen fürs Extra-Eis.

Vierkötter will sich nicht mit der Frage befassen, was für sie nach dem KaDeWe noch kommen könnte: "Hier ist so viel zu entwickeln, das ist eine Herausforderung, wie es sie sonst nur in Paris, London und New York gibt."

(RP)