Jule Langen ist Leichlingens Lateinexpertin

Jule Langen : Sie liest Harry Potter auf Latein

Jule Langen hat ein eher ausgefallenes Lieblingsfach: Latein. Dabei beherrscht sie die Sprache so gut, dass sie an Wettbewerben teilnimmt.

Sport, Kunst, Musik – jeder hat ein anderes Lieblingsfach. Bei einigen ist es sogar Mathe oder Physik. Doch das der Gymnasiastin Jule Langen fällt völlig aus der Top-10-Liste der Lieblingsfächer. Die 16-Jährige brennt für das Fach Latein. Und darin ist sie so gut, dass sie im September beim Finale des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen in Papenburg antreten wird.

Mit ihrem Lieblingsfach steht Jule alleine auf weiter Flur. Das musste die 16-Jährige zuletzt vor den Sommerferien feststellen, als klar wurde, dass sie im neuen Schuljahr – dann in der zwölften Klasse und vorbereitend auf das Abitur – keinen Lateinkursus mehr belegen kann. Sie hätte gerne Latein als Leistungskurs (LK) gewählt, doch mangels Interesse ihrer Mitschüler kommt weder ein LK noch ein Grundkursus zustande.

„Ich hatte kurz überlegt, die Schule zu wechseln, doch der LK wird nirgends angeboten und nur für einen Grundkurs die Schule zu wechseln, wäre es doch zu aufwendig gewesen“, erzählt die Schülerin. Nun hat sie sich für den Deutsch- und Physik-LK entschieden, Mathe und Geschichte nimmt sie als Grundkurse. Ein Kompromiss der Schule: Jule darf weiter die Kurse der unteren Klassen besuchen, „einfach, damit ich in der Sprache drinnen bleibe, weil ich später vielleicht Latein studieren will“.

Seit der achten Klasse erteilt die Gymnasiastin Nachhilfe in Latein. Keine leichte Aufgabe, weiß die 16-Jährige: „Es ist ziemlich schwer, jemanden etwas näherzubringen, der kein wirkliches Interesse daran hat.“ Auf Lehramt würde sie daher nicht studieren. „Ich möchte viel lieber während des Studiums viel tiefer in die Materie eintauchen und in die Forschung gehen. Die römische Literatur fasziniert mich besonders.“

Für die meisten Schüler sei Latein ein reines Pflichtfach, aber keines aus Leidenschaft wie bei ihr. Sie beschäftigt sich nämlich auch privat gerne mit der „toten Sprache“, wie sie von vielen genannt wird – hat beispielsweise die Buchreihe über Harry Potter auf Latein gelesen. „Viele finden, Latein sei verstaubt und trocken, dabei liegen darin die Wurzeln der europäischen Kultur, und es gibt so viele spannende mythologische Geschichten.“ Am liebsten liest sie die Werke der römischen Dichter Ovid und Vergil. „Bei Ovid gefällt mir vor allem, wie er die Sprache verwendet. Ich erkenne seine Texte immer an den Hyperbarta (Trennung zusammengehörender Wörter durch eingeschobene Satzteile, d. Red.), die er nutzt.“

Gerne würde Jule sich mit Leuten austauschen, die eine ähnliche Leidenschaft für die Sprache hegen. Möglich wird das beim Finale des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen, wo sie auf die anderen Landessieger treffen wird. „Ich hoffe, dass ich dort Gleichgesinnte finde, mit denen ich dann in Kontakt bleiben kann.“ Denn das Bundesfinale bietet auch eine Plattform zum Austausch an.

Mehr von RP ONLINE