Leichlingen/Rhein-Berg: Jugendamt entzieht immer öfter Sorgerecht

Leichlingen/Rhein-Berg : Jugendamt entzieht immer öfter Sorgerecht

Im Kreisgebiet stieg die Zahl im vergangenen Jahr von 16 auf 22 Fälle. Der Trend ist landesweit stark.

Die Zahl klingt durchaus alarmierend: Im vergangenen Jahr wurden landesweit 4628 gerichtliche Maßnahmen zum vollständigen oder teilweisen Entzug der elterlichen Sorge durchgeführt. Wie das statistische Landesamt NRW mitteilt, waren das 2,5 Prozent mehr Maßnahmen als ein Jahr zuvor (2013: 4513).

Nach Paragraph 1666 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) ordneten die Gerichte in 2350 Fällen den vollständigen und in 2278 Fällen den teilweisen Entzug der elterlichen Sorge an, bei dem zum Beispiel das Aufenthaltsbestimmungsrecht oder die Vermögenssorge entzogen werden.

Auch im Rheinisch-Bergischen sind die Fallzahlen angestiegen: So wurde in 22 Fällen (vorher 16) das Personensorgerecht ganz oder teilweise auf das Jugendamt übertragen. Ansonsten verhängten die Jugendämter im Kreisgebiet exakt soviel Sorgerechts-Maßnahmen, wie im Jahr zuvor.

Die Eltern kann man sich nicht aussuchen. Juristen formulieren das so: "Die Eltern und deren sozio-ökonomischen Verhältnisse gehören grundsätzlich zum Schicksal und Lebensrisiko eines Kindes." Unser Grundgesetz geht davon aus, dass die Interessen des Kindes am besten von seinen Eltern wahrgenommen werden können und garantiert den Eltern das Sorgerecht.

Auch wenn das Kind im Einzelfall Nachteile erleidet, darf der Staat nicht eingreifen. Erst wenn das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes gefährdet ist, kann das Familiengericht Maßnahmen auch gegen den Willen der Eltern zum Wohl des Kindes treffen.

Es gibt aber auch jede Menge positive Beispiele: Im Jahr 2014 bearbeiteten die Jugendämter in Nordrhein-Westfalen beispielsweise 28 368 Sorgeerklärungen; das waren 6,2 Prozent mehr als 2013 . Die Sorgeerklärung (häufig auch als Sorgerechtserklärung bezeichnet) ist eine spezielle Willenserklärung nicht verheirateter Eltern, die elterliche Sorge für ein Kind gemeinsam ausüben zu wollen. Sie kann den Eltern - auf Grundlage einer entsprechenden gerichtlichen Entscheidung - auch ganz oder zum Teil gemeinsam übertragen werden.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis gab es 654 solcher Sorgeerklärungen. Gegenüber dem Jahr zuvor ist diese Zahl allerdings deutlich zurückgegangen. 2013 waren es noch 747 Eltern-Paare, die auf diese Weise das gemeinsame Sorgerecht beurkunden wollten.

Und auch das hat sich über viele Jahre hinweg nicht geändert: Wenn zum Zeitpunkt der Geburt keine Ehe zwischen den Eltern besteht, hat grundsätzlich zunächst die Mutter das alleinige Sorgerecht.

(RP)
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