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Leichlingen: Ischerland wirft sich in den Ring

Leichlingen : Ischerland wirft sich in den Ring

Die Narren hatten leichtes Spiel: Ein bisschen frecher Prinzen-Charme, ein Tänzchen von der Garde und eine Hula-Hoop-Wette – schon war der goldene Stadtschlüssel in der Hand der kleinen Tollitäten. Große Gegenwehr gab es von Rolf Ischerland beim Auftakt des Straßenkarnevals nicht, ganz zum Gefallen der 500 ausgelassen feiernden Jecken im Postwiesen-Zelt.

Die Narren hatten leichtes Spiel: Ein bisschen frecher Prinzen-Charme, ein Tänzchen von der Garde und eine Hula-Hoop-Wette — schon war der goldene Stadtschlüssel in der Hand der kleinen Tollitäten. Große Gegenwehr gab es von Rolf Ischerland beim Auftakt des Straßenkarnevals nicht, ganz zum Gefallen der 500 ausgelassen feiernden Jecken im Postwiesen-Zelt.

Karneval hin oder her, er kann einfach nicht aus seiner Haut: "Nach Text müsste ich ja meckern, aber das war schon erste Klasse, oder?", rief Rolf Ischerland mit strahlendem Lächeln, nachdem Prinzessin Friederike I. sich gekonnt in den Hula-Hoop-Reifen geschmissen hatte. Dabei stand beim Hüftschwung-Wettbewerb zwischen der kleinen Tollität und dem stellvertretenden Bürgermeister der goldene Stadtschlüssel auf dem Spiel. Doch den rückte Ischerland, der den erkrankten Bürgermeister Ernst Müller vertrat, gerne heraus.

Der "nette Kerl" (Ischerland über sich selbst) konnte der blonden Prinzessin und ihrem Prinzen Leon-Luca I. einfach nichts abschlagen, die mit frechem Charme den Schlüssel einforderten. Oder hatten die Narren das Stadtoberhaupt i.V. durchs Warten mürbe gemacht? Mit einer Stunde Verspätung stürmte das Kinderprinzenpaar beim Karnevalsauftakt der Vereinigung Leichlinger Karneval (VLK) die Bühne, um die Herrschaft für die tollen Tage an sich zu reißen.

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Räumungsverfügung fürs Partyzelt

Vielleicht lag es aber auch am Interessenkonflikt: Als Betreiber der Narrenhochburg auf der Postwiese konnte Ischerland einem vorzeitigen Ende der jecken Sause sicherlich nur wenig abgewinnen. Trotzdem legte er sich pflichtbewusst ins Zeug und versuchte mit einer Finte, die jecke Machtübernahme zu vereiteln. Per Räumungsanordnung wollte er die Narren aus dem mollig beheizten Zelt schmeißen — das brauche er als Salzlager. Schließlich hätten im Winter doch alle übers fehlende Streusalz gemeckert.

Doch die Jecken ließen sich nicht an der Nase herumführen. "Herr Bürgermeister, es ist doch Frühling", nörgelte Friederike. "Wir woll'n den Schlüssel ha'n", skandierte eine Gruppe Micky-Mäuse lautstark. Noch ein flottes Tänzchen von der Garde des TSV Rhein-Wupper, schon ließ sich Ischerland auf die Wette mit der Prinzessin ein. "Schön mit dem A... wackeln", riet Leon-Luca I. Kein Problem, erwiderte Ischerland, ein Bürgermeister könne auch "grandiös" den Hintern kreisen lassen. Und der wackere Schlüsselverteidiger gab unter dem Johlen der Zuschauer auch wirklich sein Bestes — gestand seine Niederlage aber schnell ein.

Fast wie am Altermarkt

Es war sowieso schon zu spät, dem närrischen Treiben Einhalt zu gebieten, denn die jecken Leichlinger hatten nicht erst auf den offiziellen Startschuss gewartet. Schon zuvor wurde zu den Stimmungs-Hits von De Mötze ausgelassen gefeiert, geschunkelt, getanzt. "Das sieht ja fast so aus wie am Altermarkt", sagte VLK-Präsident Wilfried Keil. Obwohl erstmals Eintritt verlangt wurde, verfolgten 500 fröhlich Kostümierte das Programm. Anschließend ging es nahtlos weiter mit einer Altweiber-Party.

Für diese tolle Stimmung nahm Hermann Schmehl sogar einen Transatlantikflug in Kauf: Obwohl vor mehr als 50 Jahren nach Amerika ausgewandert, kam der 85-Jährige eigens aus Kalifornien, um den Fasteleer in seiner Heimatstadt nicht zu verpassen. Nicht nur, um alte Freunde wiederzusehen — für "Hermann the German" steht fest: Mardi Gras, der amerikanische Karneval, könne mit dem rheinischen Original einfach nicht mithalten.

(RP)