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Leichlingen: Irrfahrten vom Notarzt zur Apotheke

Leichlingen : Irrfahrten vom Notarzt zur Apotheke

Seit der Zentralisierung der ärztlichen Bereitschaftsdienste finden die Leichlinger weder Ärzte noch Apotheken am Ort, wenn sie nachts, am Wochenende oder am Feiertag krank werden. Irrfahrten sind die Folge, lassen sich aber vermeiden.

Proteste, Resolutionen und Eingaben haben die Zentralisierung des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes nicht verhindern können. Seit Oktober müssen Leichlinger Bürger, wenn sie an Wochenenden, Feiertagen oder nachts krank werden, durchaus bis Bergisch Gladbach zum diensthabenden Arzt fahren. Die Zeiten, wo immer ein Bereitschaftsarzt im Wechsel in Leichlingen in seiner Praxis Dienst tat, sind vorbei. Und das bekommen auch die örtlichen Apotheken zu spüren.

Seit der Zentralisierung der Bereitschaftsdienste und der Problematik, dass immer weniger Ärzte aufs Land wollen, müssten 300 Apotheken bundesweit pro Jahr schließen: Das berichtet Dr. Ulrich Braun, Inhaber der Soma-Apotheke in Witzhelden. Klar sei auch im Rheinisch-Bergischen Kreis der Trend zu erkennen, dass die Apotheken in der Nähe der Notarztzentren von der Neuordnung profitieren, die Apotheken auf dem Lande aber erhebliche Einbußen von bis zu 50 Prozent der Rezeptkunden hätten. "Ich habe über das Thema zwei Stunden lang beim Erntedankfest in Witzhelden mit Rainer Deppe gesprochen", berichtet Braun.

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Ob dies der Anlass war für den Antrag, den die Kreis-CDU jetzt bei ihrem Parteitag gestellt hat? Braun weiß davon nichts. Dieser Antrag lautet: "Die Notdienste der Ärzte und der Apotheken sind nicht miteinander koordiniert. Die CDU Rheinisch-Bergischer Kreis fordert den Gesetzgeber auf, eine Regelung zu treffen, durch den die Organisationen der Ärzte und Apotheker verpflichtet werden, die Dienste zu koordinieren. Zumindest ist sicherzustellen, dass in unmittelbarer Nähe der ärztlichen Notfalldienstpraxis eine Apotheke dienstbereit ist.

Braun stimmt diesem Antrag insoweit zum, als dass Patienten tatsächlich, wenn sie zum Beispiel in Bergisch Gladbach den ärztlichen Bereitschaftsdienst aufsuchen müssen, anschließend nicht wissen, welche Apotheke sie ansteuern können: "Die Leute fahren dann unter Umständen wieder nach Witzhelden oder Leichlingen und müssen hier feststellen, dass die nächste Notdienst-Apotheke aber in Solingen geöffnet hat", nennt Braun ein Beispiel aus der Praxis solcher Irrfahrten.

Er befürchte allerdings, dass die CDU mit ihrem Antrag "die Uhren nicht wieder zurückstellen" könne und somit ins Leere laufe. Die Kassenärztliche Vereinigung werde seiner Einschätzung nach die neue Bereitschaftsdienst-Zentralisierung nicht wieder rückgängig machen. "Denn es geht bei dieser komplexen Problematik um das höhere Gut, die ärztliche Versorgung auf dem Lande aufrecht zu erhalten", verdeutlicht der Apotheker. Und Braun erinnert: "Auf dem Land fehlen auch aus dem Grunde niedergelassene Ärzte, weil die hier weit mehr Notdienste machen mussten als zum Beispiel die Ärzte in Köln."

Doch was macht der Patient, wenn er vom Bereitschaftsarzt am Feiertag ein Medikament verschrieben bekommt? "Es gibt drei Möglichkeiten", sagt Braun: "Zur nächsten Apotheke fahren und gucken, was dort angeschlagen steht, wer Notdienst hat, in die Zeitung schauen oder die kostenfreie Informationsnummer 0800 00 22 833 wählen. Und das vor allem, bevor der Besuch beim Bereitschaftsarzt erfolgt", rät der Apotheker.

(RP)