Inklusionstag in Leichlingen mit Baumkletteraktion für Rollstuhlfahrer

Inklusionstag in Leichlingen : Baumklettern im Rollstuhl? – Na klar

Der Inklusionstag des Vereins Crew gewährte ungewohnte Einblicke.

Als Crew als Verein für Kinder- und Jugendarbeit vor zwei Jahren gegründet wurde, stand das Thema „Inklusion“ gar nicht mal im Mittelpunkt. Doch mit der Zahl der Freizeitangebote stieg auch die Zahl der Anfragen, ob Menschen mit Handicap mitmachen können. „Wir haben gemerkt, dass das Thema sehr wichtig ist, es in Leichlingen aber nicht sehr viele Möglichkeiten der inklusiven Freizeitgestaltung gibt“, sagte Pia Wimmerhoff von Crew.

Am Sonntag hat der junge Verein den ersten Leichlinger Inklusionstag im Schulzentrum organisiert. Die Resonanz war für eine Premiere mehr als respektabel. Acht Vereine und Institutionen aus dem Leichlinger Umfeld beteiligten sich an einer kleinen Messe, darunter der Leichlinger Quartierstreff, die Werkstatt Lebenshilfe, die Mebus-Körmann-Stiftung, Rampenspezialist Promedserv und die Bergisch Gladbacher InBeCo – Servicestelle für Inklusion in der Freizeit. Interessant aber auch die Aktivitäten, die die Besucher mit und ohne Handicap auf dem Schulhof erleben konnten: Das Austesten des Rollstuhlparcours mit Rampen und Hindernissen beispielsweise machte Crew-Mitglied Felix zwar eine Menge Spaß, stellte ihn aber auch vor Probleme: Die kleine Steigung – wie sie im öffentlichen Umfeld ständig vorkommt und Nicht-Behinderten kaum auffällt – wurde zum kaum überwindbaren Hindernis.

Ein Erlebnis der besonderen Art auch das Baumklettern im Rollstuhl – eine Freizeitbeschäftigung, die Rollstuhlfahrern sonst nicht oft geboten wird und beim Inklusionstag vielfach ausprobiert wurde. Bürgermeister Frank Steffes unterstützte das Engagement in seiner Eröffnungsrede ausdrücklich: Es gehe bei der Inklusion darum, Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft hineinzunehmen und eine neue Sichtweise zu bekommen. „Inklusion fördert das Miteinander“, sagte er. Unterschiede müssten als normal akzeptiert werden. Es gelte, sich darauf zu konzentrieren, was Menschen mit Behinderung könnten und die Teilhabe durch die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen zu ermöglichen.

Auch der Crew-Vereinsvorsitzende Alexander Bülles betonte: „Wir wollen es selbstverständlich machen, dass Menschen mit Behinderung an Freizeitaktivitäten teilhaben.“ Auf unterhaltsame Art und Weise führte derweil Comedian, Rollstuhlbasketballer und Model Tan Caglar in den Tag ein. Sein Bühnenprogramm ist von der Situationskomik, aber auch von der pointierten Erzählung aus dem Leben eines Rollstuhlfahrers geprägt. Als türkischer Rollstuhlfahrer aus Hildesheim sei er gleich mehrfach bestraft, bekannte er selbstironisch.

Doch auch Behinderte hätten ihren Spaß – zum Beispiel beim Anblick von Segway-Fahrern in komischer Körperhaltung: „Der Segway wurde erfunden, damit wir Rollstuhlfahrer auch mal was zu lachen haben“, erläuterte Caglar dem Publikum in seinem spaßigen Programm.

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