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In Witzhelden soll das alte evangelische Gemeindehaus erhalten bleiben

Eindeutiges Votum : Politik will Denkmalschutz statt betreutes Wohnen

Der Stadtentwicklungsausschuss hat am Montagabend den Abriss des alten Gemeindehauses für „Wohnen mit Service“ in Witzhelden abgelehnt.

Was wiegt schwerer: der Denkmalschutz im Ortskern von Witzhelden oder eine zentrumsnahe Pflegeinfrastruktur in Form eines sozial-diakonischen Zentrums? Bereits im Bezirksausschuss hatten die Politiker diese Frage eindeutig beantwortet, im Stadtentwicklungsausschuss an diesem Montag wurde das Votum bestätigt: Beide Gremien lehnten den Abriss des alten evangelischen Gemeindehauses an der Hauptstraße einstimmig ab und votierten damit zugleich gegen einen Neubau für Wohnen mit Service für ältere Menschen.

Im vergangenen Jahr hatte das Bauamt die Bauvoranfrage des Wermelskirchener Investors P + P Bergisch Wohnen positiv beschieden. Am Montag betonte Geschäftsführer Volker Preyer, dass er nach dem Bauantrag nun die Baugenehmigung erwarte. Damit könnte es allerdings zumindest vorerst schwierig werden: Im Herbst 2021 meldete der Landschaftsverband als übergeordnete Denkmalschutzbehörde Bedenken gegen den Abriss des alten Gemeindehauses an. Es liegt im sogenannten Denkmalbereich im Kern des Höhendorfes, genießt deshalb einen gewissen Schutz, ohne selbst ein Denkmal zu sein.

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Der Investor, nach eigenem Bekunden „völlig überrascht“ von dieser Wende, warb im Ausschuss eindringlich dafür, dass die Versorgung Witzheldens mit Raum für betreutes Wohnen Vorrang vor dem Erhalt des alten Hauses bekommt. Entstehen sollen dort rund 20 Plätze in Ambulant Betreuten Wohngemeinschaften (ABW) und drei bis fünf barrierefreie und behindertengerechte Wohnungen. Der Investor will dafür das Grundstück kaufen, das Gebäude errichten und an die Gemeinde vermieten. Die möchte es ihrerseits über die Diakoniestation Leichlingen/Witzhelden selbst betreiben.

„Die Gemeinde tut bereits etwas für den Denkmalschutz in Witzhelden, indem sie das alte Pfarrhaus gerade aufwändig saniert hat. Da sollte es doch möglich sein, ihr an anderer Stelle entgegenzukommen“, forderte Preyer von den Ausschussmitgliedern.  Man müsse für die Menschen stimmen und nicht für alte Steine.

Gefragt haben sich die Politiker indes, wozu ein Ausschussvotum und Ratsbeschluss überhaupt notwendig seien, wenn es bereits einen positiven Vorentscheid gebe. Dazu hieß es seitens der Stadtverwaltung, im Rahmen der Bauvoranfrage sei die Frage des Gebäudeabrisses nicht thematisiert worden. Dem aber widerspricht Preyer vehement: Der Landschaftsverband sei sehr wohl von Anfang an über die Abrisspläne informiert gewesen. Im Übrigen könne das Leichlinger Bauamt das Votum des Verbandes zur Kenntnis nehmen, die Baugenehmigung aber dennoch erteilen. Offenbar solle die Entscheidung nun aber politisch abgesegnet werden.

Volker Preyer deutete am Montagabend an, dass er klagen werde, wenn es nach positivem Vorentscheid nun keine Baugenehmigung geben werde: „Die Stadt macht sich damit schadensersatzpflichtig.“

Sowohl SPD als auch CDU sprachen sich dafür aus, die Interessen des Denkmalschutzes mit dem Angebot betreuten Wohnens in Einklang zu bringen. „Es muss beides gehen“, forderte Yvonne Göckemeyer (SPD). Sie könne sich vorstellen, den alten Teil des Gemeindehauses zu erhalten und einen modernen Anbau auf dem restlichen Grundstück zu errichten. „Wir möchten  nicht, dass das ortsbildprägende Gebäude abgerissen wird“, sagte sie für die Sozialdemokraten. Auch Patrick Imcke (CDU) forderte ein „Sowohl-als-auch“ und kündigte an, den Antrag auf Abriss und Neubau in der aktuellen Version abzulehnen.

Die Mischung aber ist für den Investor keine Option. „Das ist nicht möglich, wir haben es bereits geprüft“, sagte er. Auch der evangelische Pfarrer Stephan Schneider bedauerte am Dienstagmorgen die politische Entscheidung: „Ort und Gebäude würden an dieser Stelle aus unserer Sicht hundertprozentig passen“, sagte er.