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Impftermine? Leichlingerin schimpft: „Keine klare Linie“

Kritik an Planung der Bundesregierung : Impftermine? Leichlingerin schimpft: „Keine klare Linie“

Am dritten Tag hat Michaela Rogge jemanden bei der Kassenärztlichen Vereinigung erreicht. Sie wollte für Kunden ihres Betreuungsdienstes Impftermine ausmachen. Aber derzeit gebe es keine, erhielt sie als Antwort. „Das ist alles sehr undurchdacht“, moniert die Leichlingerin.

Michaela Rogge macht ihrem Unmut Luft: „Bei der Vergabe der Impftermine gibt es keine klare Linie.“ Die Leichlingerin ist die „Gute Fee“ in der Blütenstadt, betreibt unter diesem Namen mit mehreren Mitarbeitern einen Betreuungsdienst für ältere Menschen.

Zwölf Kunden, die das Alter von 80 Jahren überschritten haben, hat sie gesagt: „Ich kümmere mich um einen Impftermin.“ Montag, Dienstag und Mittwochvormittag hat Rogge gebetsmühlenartig die Nummer der Kassenärztlichen Vereinigung, die die Termine der Corona-Impfungen für die Über-80-Jährigen vergibt, angerufen.

Mittwochmittag hat sie einen Ansprechpartner an der Strippe. „Da hieß es: Alle Termine sind vergeben.“ Rogge hakte nach. „Die Antwort hieß: Alle Termine für den Impfstoff, der gerade zur Verfügung stehe, seien bereits vergeben. Man soll jetzt warten, bis weiterer Impfstoff komme. Ich finde, das ist ein Skandal“, ordnet Michaela Rogge ein. „Was sollen denn Menschen machen, die 80, 90 Jahre alt sind und nun einem Termin hinterherjagen müssen? Warum hat man das Ganze nicht irgendwie anders aufgezogen?“, fragt die Leichlingerin.

Sie habe den Ansprechpartner von der Kassenärztlichen Vereinigung gefragt, ob sie ihm die Daten ihrer Kunden nicht durchgeben könnte, damit er an sie Termine vergeben könne, sobald das wieder möglich sei. Aber dieser und weitere Alternativvorschläge „funktionieren angeblich alle nicht“, sagt Rogge. „Bürgernah ist anders. Es ist doch klar, dass viele Leute die Hotline anrufen, wenn zigtausende Bürger angeschrieben werden mit der Aufforderung, sich um einen Termin zu kümmern. Es wundert mich nicht, dass da die Hotline platt ist.“ Zudem: Wer im selben Haushalt lebe, etwa Ehepartner, bekäme nicht einen Termin parallel oder hintereinander am selben Tag, sondern müsse einzeln anreisen. „Das ist doch ein Desaster.“

Und noch ein Thema geht ihr durch den Kopf: „Es gibt viele Menschen über 80, die bettlägerig sind. Wie, bitteschön, sollen die ins Impfzentrum kommen?“ Darüber habe sich die Regierung zu wenig Gedanken gemacht. „Das müsste doch über die Hausärzte laufen.“ Sie hat ihren Kunden versprochen, sich um Impftermine zu bemühen. Und das werde sie auch weiterhin, sagt Michaela Rogge entschlossen.