Imitation zur Europawahl in Leichlingen

Imitation zur Europawahl : Umwelt ist hipp – Schüler wählen Grün

Leichlinger Jugendparlament ruft im Zuge einer bundesweiten Kampagne zur „Europa-Wahl“ auf. 1000 Jugendliche gaben ihre „Stimme“ ab.

Sieben Tage vor der Europawahl am Sonntag liegen erste Wahlergebnisse vor: Im Rheinisch- Bergischen Kreis kamen Bündnis 90/Die Grünen mit 26,3 Prozent auf den ersten Platz, gefolgt von CDU (19,4) und SPD (18,8). Amtlich zählen diese Stimmen natürlich nicht. Obwohl sie laut Gesetz noch nicht wahlberechtigt sind, konnten Schüler unter 18 Jahren aus Leichlingen schon ihr Votum abgeben. In fünf Wahllokalen in der Stadt wurden insgesamt rund 1000 „Wahlzettel“ abgegeben. Eigens, um diese Chance am Freitag nutzen zu können, waren zwei komplette Abschlussklassen der Grundschule Kirchstraße ins etwa 1000 Meter entfernte Gymnasium am Hammer gekommen. Sie hatten selbst gebastelte Europa-Fahnen mitgebracht und hielten diese hoch, während sie sich im Foyer des Gymnasiums geduldig in die Warteschlangen einreihten und es dort vor Schülern nur so wimmelte.

Zur Beteiligung an der bundesweiten U 18-Kampagne hatte das im Jahr 2000 gegründete städtische Kinder- und Jugendparlament (JuPa) aufgerufen. Ziel der JuPa-Mitglieder zwischen neun und 20 Jahren ist es, sich vor allem für ein „kinder- und jugendfreundliches“ Leichlingen einzusetzen.

Der JuPa-Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit hatte das Ganze organisiert. Nicht zum ersten Mal. Bereits die letzten Wahlsimulationen des Jugendparlamentes erzielten hohe Wahlbeteiligungen. Bei der Abfrage zur Innenstadtentwicklung wurden gar 1423 abgegebene Stimmen registriert – und somit 50 Prozent aller Kinder und Jugendlichen, die in Leichlingen leben. Zum Vergleich: Die Blütenstadt hat etwa 28.000 Einwohner.

„Auch diesmal war die Wahlbeteiligung wieder enorm hoch“, bemerkte Gudrun Bormacher, Sprecherin des Gremiums, Schriftführerin und Beauftragte des Kinder- und Jugendrates der Stadt. Sie ist überzeugt, dass „Europa für Jugendliche besonders attraktiv“ ist. Schließlich werden im Europaparlament wichtige Entscheidungen getroffen, die auch alle Kinder und Jugendlichen angehen. Zum Beispiel gemeinschaftliche Werte, Zoll- und Währungsunion und die damit verbundene Freizügigkeit von Menschen, Waren und Dienstleistungen sowie Kapital, einheitliche Qualitätsnormen für alle Lebensbereiche, Gesundheit, Umwelt, Bildung und Sicherheit.

Beim Wahlergebnis spiegelten sich diese entsprechenden Themen nun wider, die für Kinder und Jugendliche von Bedeutung sind. Allem voran Umwelt- und Klimaschutz. „Umwelt ist total hipp“, sagte Bormacher und erinnerte daran, dass sich Jugendliche erst im April mit dem Thema „Blüten für die Blütenstadt“ beschäftigten und entsprechend überall in der Stadt so genannte Samenbomben mit bienenfreundlichen Blüten verteilten.

„Nur wer seine Stimme abgibt, kann beeinflussen, welche Partei und welche Abgeordneten im Europäischen Parlament ihre Macht auf Zeit und stellvertretend für die Bürger ausüben oder Gesetze beschließen darf, die für alle Menschen in Europa gelten. Demokratie geht alle an“, verdeutlichte Fabian. Der 15-jährige Gymnasialschüler ist seit fünf Jahren aktives JuPa-Mitglied und seit zwei Jahren JuPa-Sprecher. Im Übrigen kann er sich eine politische Karriere im Landes- oder Bundestag im Anschluss an ein Studium sehr gut vorstellen. Nun begründete er das große Interesse seiner Kameraden so: „Immer wieder wird behauptet, wir Jugendlichen seien politikverdrossen. Das stimmt aber nicht, denn wir sind sehr wohl interessiert. Das haben wir nun klar bewiesen.“

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