Im Reparatur-Café im Quarterstreff Leichlingen wird allen geholfen

Quartierstreff Leichlingen : Im Reparatur-Café wird allen geholfen

Vor einem Jahr ging das monatliche Angebot im Quartierstreff an den Start – eine Erfolgsgeschichte.

Sobald die Tür aufgeht, empfängt die Besucher erst einmal ein einziges Stimmengewirr. Überall sitzen und stehen Menschen, werden CD-Player, Radios, Lampen und andere Gerätschaften durch den Raum getragen und auf Tische gehievt. Kurzum: Es herrscht geschäftiges Treiben. Herrscherin über das Gewusel und erste Ansprechpartnerin für die Besucher ist Beatrix Gölzenleuchter. Sie händigt die sogenannten Laufzettel aus, beantwortet Fragen, vermittelt die richtigen Ansprechpartner und behält die Finanzen in Form des goldenen Sparschweins im Auge.

Seit einem Jahr gibt es das Reparatur-Café im Leichlinger Quartierstreff in der Gartenstraße. Beatrix Gölzenleuchter war von Anfang an dabei und hat beobachtet, wie sich das kostenlose Angebot zu einer absoluten Erfolgsgeschichte entwickelt hat.

Die Idee dahinter ist einfach: Ehrenamtliche Helfer reparieren kostenfrei kaputte Dinge, die Leichlinger ihnen vorbeibringen. Das können Elektro-Artikel sein, aber auch Textilien, alte Uhren oder Unterhaltungselektronik. „Halt alles, was man tragen kann“, sagt Gölzenleuchter. Der positive Nebeneffekt: Zum einen entsteht weniger Müll und es werden nur Dinge entsorgt, die auch wirklich kaputt sind. Und die Besucher knüpfen nette Kontakte, trinken gemeinsam Kaffee und kommen ins Gespräch.

Das Angebot kommt bei den Leichlingern jedenfalls gut an. Schon beim ersten Termin am 5. April 2018 kamen 26 Besucher ins Reparatur-Café, denen zwölf ehrenamtliche Handwerker gegenüberstanden. Inzwischen gibt es 20 Helfer, die sich an den Tischen über ihre „Herausforderungen“ hermachen.

Einer von ihnen ist Uli Schwelm, der es pünktlich zum einjährigen Bestehen mit der Stereoanlage von Ellen Boes aufnimmt. „Ich versuche gerade, sie glücklich zu machen“, sagt Schwelm und schmunzelt. Kein einfaches Unterfangen, denn das Gerät tut es einfach nicht. „Es wäre toll, wenn es klappt“, sagt Boes, „dann könnte ich wieder Radio, CDs und Kassetten hören.“

Mit ruhiger Hand untersucht Schwelm das Gerät, als gelernter Radio- und Fernsehtechniker mit anschließendem Informatik-Studium hat er beste Voraussetzungen, um das widerspenstige Ding wieder in Gang zu setzen. „Ich bin von Anfang an dabei und es war schon spannende zu sehen, wie es sich entwickelt hat“, erinnert er sich.

Er hat sich auch die Mühe gemacht, eine Statistik über das erste Jahr des Reparatur-Cafés zu erstellen, und die kann sich sehen lassen. 339 Besucher kamen, 56,93 Prozent der Geräte wurden dabei wieder repariert. Das Gros machen dabei elektrische Geräte aus, „aber wir hatten auch schon Wasserhähne“, sagt Beatrix Gölzenleuchter. Auch für Textilien steht eine Ehrenamtlerin mit ihrer Nähmaschine bereit. „Das Projekt ist auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit, denn so kommt eben nicht alles gleich auf den Müll“, betont Gölzenleuchter.

Wichtig für die „Kunden“ ist, dass die Ehrenamtler keine Haftung übernehmen und dass das Angebot freiwillig ist. Zudem müssen die Kunden warten und im Reparatur-Café bleiben, und können nicht einfach etwas abgegeben und später wiederkommen. Für eventuelle Wartezeiten stehen Kaffee und Kuchen bereit, und viele nette Ehrenamtler für Gespräche.

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