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Leichlingen: Höhendorf außer Rand und Band

Leichlingen : Höhendorf außer Rand und Band

Beim Erntedankfest wählten die Witzheldener am Sonntag sogar ein eigenes Oberhaupt für den Stadtteil. Der Umzug bot unabhängig von allem augenzwinkernden Freiheitskampf jedoch auch wieder viele bunte Themen, präsentiert von prächtig kostümierten Gruppen und Vereinen.

witzhelden Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Asterix und Obelix spielten Pate für einen der Wagen des Umzugs beim "Erntedankfests der Träume". Als lustiges, ganz eigenes Völkchen zelebrierten die Bewohner des Höhendorfes sich gleich mehrfach beim jährlichen Höhepunkt des inoffiziellen, nicht allzu ernst gemeinten Witzheldener Unabhängigkeitstags. Träumen wird erlaubt sein. Getreu dieser Devise setzte manche Gruppe das Zugmotto kreativ und teilweise ganz schön bissig um.

Wahlkampf für den Häuptling

Aber richtige Gallier brauchen auch einen Majestix. Wer ihr Häuping (neudeutsch: Bürgermeister) sein soll, stand für den Kegelklub DHG Witzhelden außer Frage. Er machte fleißig Wahlkampf für Michael Brüning. Ein Ortsschild hatten die Mitglieder schon umgestaltet als Vorbereitung für die Lossagung von der Blütenstadt: Stadt Witzhelden statt Leichlingen. Etwas holprig gereimt stand auf dem Wagen zudem der Slogan des ausgeguckten Kandidaten zu lesen. "Witzheldener träumen schon lange Zeit von ihrer Unabhängigkeit. Die DHG sagt Yes, we can.

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Der Brüning ist unser Bürgermeister-Man", dichteten sie. Das Wahlprogramm der DHG für den rührig-emsigen "Mr. Kunstrasenplatz" hat es in sich. Neben obligatorischen Versprechen wie Unabhängigkeit von Leichlingen und Wiedereinführung der alten Postleitzahl 5671 spricht der sich auch für Kegeln als olympische Disziplin, gutes Wetter zum Erntedank und den Wiederaufbau der Kaiserhalle aus.

Eine andere Gruppe wollte den neuen Bürgermeister erst küren. Als "unfreiwillige Kandidaten" fanden sich auf ihren Wahlzetteln Ernst Leich und Rolf Lingen (Anspielungen auf Ernst Müller und Rolf Ischerland), Hans Witz (Gonska) und Volker Helden (Jung). Vorzeitig gekürt wurde dann jedoch Supermarkt-Chef Hans Ulrich Bonus. Außer mit den Galliern identifizieren sich die Menschen im Höhendorf schon traditionell auch mit Freibeutern. "Alli's Freunde" beschlossen: "Die Öffnung zur Wupper gibt uns den Rest. Witzhelden wird zum Piratennest." Zwielichtiges Volk konnte auch in Form der "Rebellen der Berge" der "Traumfabrik Witzhelden" gesichtet werden.

Seitenhiebe auf "die da unten"

Seitenhiebe auf "die da unten" wie die Menschen im Leichlinger Zentrum aus Sicht des Höhendorfs gerne genannt werden, fehlten beim Erntedankfest-Umzug auch unabhängig von allem augenzwinkernden Freiheitskampf nicht. Der "Tuppes-Trupp" lud die Blütenstädter ein: "Fällt im Stadtpark zum Einkauf auch der letzte Baum. Dann kommt alle ins Dorf um die Natur zu bestaun'."

Und immer wieder das Ordnungsamt. Dass im vergangenen Jahr die Feier am Vorabend des Zugs um ein Uhr abgebrochen wurde, brachte den Beamten reichlich Spott ein. "Unser Dorf, das feiert ganz charmant mit Polizei und Ordnungsamt" reimte der "Tuppes-Trupp". Eine andere Gruppe wünschte sich ein Witzheldener "Or(t)nungsamt. Applaus, aber auch Kritik gab es für die Gallier. Sie ließen unter dem Motto "Ordnung muss sein" eine Ordnungsamts-Figur am Strick vom Wagen baumeln — was an den geknebelten Asterix-Barden Troubadix erinnerte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Es darf geträumt werden - auf dem Witzheldener Erntedankumzug

(RP)