Hilfsprojekt an Leichlinger Grundschule für traumatisierte Kinder

Grundschule Büscherhof : „Seelenpflaster“ für traumatisierte Kinder

Das Pilotprojekt der Kunsttherapeutin Marie Fenske läuft seit einiger Zeit an der Grundschule Büscherhof.

„Es kann doch nicht so schwer sein, Kinder zu unterrichten“ – realistische Einschätzung oder Mär von der heilen Welt in hiesigen Klassenzimmern? Die Grundschule Büscherhof geht seit einiger Zeit ganz bewusst das Risiko ein, sich einen Ruf als „schwierige“ Schule einzufangen, weil sie damit zugleich eine riesige Chance nutzt: Sie schafft Raum für „Seelenpflaster“ – ein Pilotprojekt der Kunsttherapeutin Marie Fenske, das Kindern Hilfe bietet, die im normalen Unterricht als nicht oder nur schwer beschulbar gelten.

Haben in Büscherhof die Lehrer versagt oder die Schüler aufgegeben? „Gerade nicht“, sagt Schulleiterin Sandra Richter. Vielmehr nehme das gesamte Kollegium gezielt die Hilfe wahr, um  den Kindern eine Chance zu bieten, in der Schule zurechtzukommen. Was steckt hinter den „Seelenpflastern“? Es zeichne sich der Trend ab, dass Kinder immer weniger sozialisiert seien. Zudem zähle eine bundesweite Statistik pro 20 Schüler im Durchschnitt zwei Missbrauchsfälle – auch in Leichlingen. „Viele Kinder haben bereits bei Eintritt in die Schule Gewalterfahrung. Sie leiden unter dem Verlust von Schutz und Fürsorge. Es sind Kinder mit Missbrauchs-, Vernachlässigungs-, Verwahrlosungs- oder Fluchterfahrung. Auch Scheidungsfälle können tiefe Traumata auslösen. Und das gilt nicht nur für Kinder aus Flüchtlingsfamilien oder sozial schwachem Umfeld, sondern aus der ganzen Gesellschaft“, sagt Marie Fenske. Ihre These: „Ist der Kopf voll, ist kein Lernen mehr möglich.“

Die Kinder müssten erst ihren Lebensmut zurückbekommen, um wieder Platz fürs Lernen zu schaffen. Sandra Richter hat an ihrer Schule in den vergangenen Monaten erlebt, wie sich schwer belastete Kinder durch die „Seelenpflaster“ verändert haben. „Ein Kind hat mir erzählt, dass die Arbeit mit Marie Fenske wie ,Sonnenstunden’ sei“, erzählt die Rektorin. Die Kunsttherapeutin malt, bastelt, baut und spricht mit den Schülern. Dadurch können sie ausdrücken, was im normalen Unterricht nicht möglich ist.

Das Projekt hat aber nicht nur Einfluss auf den momentanen Lernerfolg: „Wenn diese Kinder keine Hilfe bekommen, bleiben sie auf ihrer Problematik sitzen. Dies führt zu Konflikten im Alltag“, betont Fenske. Sie bräuchten Entlastung von ihren traumatischen Erlebnissen. „Ansonsten werden sie oft selbst zu Tätern. Zudem sind sie leichte Beute für radikalisierende Gruppen der Gesellschaft. Denn diese suchen sich immer die innerlich Heimatlosen und Schwachen als Opfer zu ihren Zwecken“, sagt sie. Für Sandra Richter steht indes ein Begriff im Mittelpunkt aller gemeinsamen Bemühungen um die Kinder: „Würde“ ist das Hauptwort. Wir müssen die Kinder ernstnehmen.“

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