Leichlingen: Herzensbrecher und Westernsaloon

Leichlingen : Herzensbrecher und Westernsaloon

Die einen mussten zu nachtschlafender Zeit aufstehen, den anderen wurde beim Haareflechten kein Päuschen gegönnt. Eines aber war Teilnehmern wie Besuchern des Stadtfestes gemein: die prima Stimmung, auch an den ganz neuen Ständen. Die schwappte später aufs Uferstraßenfest über.

Ernst Müller als Herzensbrecher: Diesen Eindruck machte der Leichlinger Bürgermeister jedenfalls auf Orgateam-Vorsitzenden Rüdiger Hagedorn beim traditionellen Fassanstich am Samstag: Dessen bessere Hälfte hockte mit einem Eimer neben dem Fass, um das herunterlaufende Bier aufzufangen. Hagedornscher Kommentar: "Dass meine Frau unserem Bürgermeister mal so zu Füßen liegen würde, hätte ich auch nicht gedacht!"

Einmal Haarwickel, bitte!

Pünktlich um 15 Uhr hatte Müller (vorsorglich mir Schürze bekleidet) das 39. Leichlinger Stadtfest offiziell eröffnet. Auf drei Bühnen gab es ein pralles Musik-, Tanz- und Gymnastikprogramm, über 100 Stände von Händlern und Vereinen lockten tausende Blütenstädter ins Zentrum. Neu dabei: die Obstmarkt-Veranstalter.

An ihrem Stand galt es, die Früchte eines Holzapfelbaums zu treffen. Bei drei Treffern gab es einen echten Apfel. Auf dem Obstmarkt ist der Holzbaum von Tiefbauamtsleiter Jürgen Krey schon länger eine Attraktion: "Weil es da sehr gut ankommt, dachten wir, dass wir das hier auch mal machen könnten", erläuterte Mitorganisatorin Heidrun Glage.

Auch anderswo kamen die kleinen Besucher voll auf ihre Kosten: Karussell, "Water Bubble", Eisenbahn und "Hairwraps" mussten probiert werden. Letzteres zählte zu den neuen Aktionen auf dem Fest: Moni Michna flocht Mädchen bunte Bänder ins Haar. Im Vorfeld hatte es "Zweifel gegeben, ob so etwas gut ankommt, wie haben hin- und hertelefoniert", sagte Orgateam-Mitglied Andreas Gill. Die Sorge erwies sich als unbegründet: "Das läuft total gut, ich hab noch keine Minute stillgestanden!", sagte Michna, die extra aus Texel angereist war.

Andere Kinder wollten lieber selbst aktiv werden und machten beim großen Trödelmarkt am Pastorat mit. Familie Späte gehörte zu den wenigen Trödlern, die noch bis zum frühen Abend auf dem Gelände ausharrten. Dabei waren sie bereits am Morgen um 4.45 Uhr gestartet. Eindeutig zu früh, fand Tochter Sophia (12): "Ich wurde um vier Uhr aus dem Bett geschmissen, hätte gerne noch länger geschlafen."

Zweierlei Wertschätzung

Freundin Julia, die der Familie beim Verkaufen half, ging es nicht anders: "Normal stehe ich um halb sieben auf, das ist natürlich angenehmer." Bei der Mutter erweckten die beiden damit aber kein Mitleid: "Wenn sie Geld verdienen möchten, müssen sie auch etwas dafür tun", betonte Corinna Späte. "So lernen die Kinder Wertschätzung."

Eine andere Art von Wertschätzung wurde am Sonntag Nachmittag auf der Bühne des Gymnasiums gelehrt — nämlich die von Lebensmitteln: Zugunsten der Leichlinger "Tafel" lief eine Kochshow: Vereinsvorsitzende Waltraud Simon und Vorstandskollege Rolf Ischerland zauberten Gerichte mit Zutaten heimischer Landwirte.

Unterstützung bekamen sie dabei etwa von Sebastian Lemmer und Lars Rosenkaymer vom gleichnamigen Leichlinger Catering-Service. Die Gymnasium-Bühne hatte in diesem Jahr einen neuen Nachbarn: Als neue Attraktion war auf der Postwiese ein Westernsaloon aufgebaut, von wo aus die Besucher bei einem kühlen Getränk das Treiben des Festes beobachteten.

(jube)
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