Herrenelferrat Leichlingen veranstaltet keine närrischen Sitzungen mehr

Kosten steigen, Helferzahl nimmt ab : Der Herrenelferrat stellt den Sitzungsbetrieb ein

Am Wochenende gingen die letzten Karnevalssitzungen über die Bühne. Vor allem die Kosten machen dem Verein zu schaffen.

Die jecken Wiever waren außer Rand und Band, als Klüngelköpp, Domstürmer, Fauth Gentlemen, Kasalla und andere am Samstag die Bühne in der Toskana-Festhalle rockten. Es schien ganz so, als sei die elfte Damensitzung der Karnevalsgesellschaft Herrenelferrat zugleich die letzte Gelegenheit, noch jemals im Leben feiern zu können. Und tatsächlich war es dort die letzte Chance. Denn gleich zu Beginn der launigen Karnevalsfeier verkündete Vereinspräsident Dirk Fischer das Aus sämtlicher Veranstaltungen, also sowohl von Damen- als auch von Herrensitzung. Bereits vier Wochen zuvor sei dieser Beschluss von Vorstand und Mitgliedern gefasst worden.

„Weitere Feste können wir einfach nicht mehr stemmen“, schilderte Astrid Fischer. „Alles wird immer teurer. Die Kräfte verlangen mehr Geld, Steuern und Hallenmiete tun ein Übriges. Dazu wird das Publikum immer anspruchsvoller. Wir mussten jetzt auch die Reißleine ziehen, weil wir unser Versprechen, mit 50 Euro einen schönen Tag zu haben, trotz Erhöhung des Eintrittspreises nicht mehr halten können. Zugleich sind wir nicht bereit, uns an der Erhöhung der Preisspirale weiterhin zu beteiligen.“  Und es gebe weitere Gründe, so Fischer: Von aktuell 40 aktiven und passiven Vereinsmitgliedern würden immer mehr Leute aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden. Mit wenigen Personen sei es nicht möglich, solch große Belustigungen auf die Beine zu stellen. Denn immer weniger Helfer seien bereit, eine Woche lang Tische und Stühle in die Halle zu schleppen, die speziell nur für zwei Tage hergerichtet werde.

Besucher bedauerten den Entschluss, zeigten aber Verständnis. „Superschade, leider nicht zu ändern“, kommentierte Silke Werner, die mit ihren Freundinnen eigens aus Solingen gekommen war und die sich allesamt als Glitzer-Engel verkleidet hatten.

Obwohl er sich als Moderator der Herrensitzung bereits im Vorjahr zurückgezogen hatte, ließ es sich Dirk Fischer nicht nehmen, am Sonntag auch noch die 23. und endgültig letzte Herrensitzung zu leiten. Wenn die Halle anschließend weitgehend geräumt und alle Türen geschlossen seien, wolle man im Verein noch ein letztes Mal ausgelassen feiern und tanzen, selbst wenn dabei manche Träne fließen werde, hieß es.

Selbst wenn der von Dirk Fischer gegründete Verein in Zukunft andere Wege in der Blütenstadt geht, wird er weiter bestehen. Pläne drehen sich unter anderem um die weitere Beteiligung am Blütensamstagszug und die Reaktivierung des Bierwagens beim Stadtfest. Nicht zuletzt wird sich für Dirk und Astrid die Gelegenheit bieten, wieder öfter reisen zu können. „Es kommen bestimmt andere schöne Zeiten auf uns zu“, beteuert Astrid Fischer denn auch – mit einem weinenden und einem lachenden Auge.