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Leichlingen: Haydns Schöpfung: Figuralchor ließ die Welt erleuchten

Leichlingen : Haydns Schöpfung: Figuralchor ließ die Welt erleuchten

Die Überlieferung erinnert an Szenen, wie sie sich heute eher vor Fußballstadien abspielen. Die berittene Polizei musste einschreiten und für Ordnung sorgen, weil so viele Menschen die Uraufführung von Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung" erleben wollten.

Solche Massen wie bei dieser und den folgenden Aufführungen zu Haydns Zeiten zog es am Sonntag nicht zum Konzert in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Sehr wohl bewies die Veranstaltung des Figuralchores der Leichlinger Kantorei aber, dass die Musik auch nach mehr als 200 Jahren nichts an Faszination verloren hat. Das begeisterte Publikum spendete nach zwei Stunden angespannten Zuhörens reichlich Applaus, verdientermaßen.

Dem Chor kommt in diesem musikalischen Schöpfungsakt nach biblischem Bericht in doppelter Hinsicht eine dankbare Aufgabe zu. Bis auf wenige kurze Ausnahmen lobt und dankt er in höchsten und auch tiefsten Tönen, bis zum großen Finale auch die Solisten mit einstimmen und das Schöpferlob überhöhen. Die Chorsänger setzten jedenfalls in der Leichlinger Kirche jede Menge Glückshormone frei. Kantorin Tanja Luthner hat ihre Sänger bestens auf die Wirkung der tonmalerischen Musik vorbereitet. Das wurde gleich beim ersten Einsatz deutlich, in dem der schwebende Geist Gottes besungen wird. Da breiteten die Stimmen glanzlosen Wohlklang aus, um zu den Worten "Es werde Licht" hörbar den Schalter anzuknipsen und alles zu überstrahlen.

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Die Bergische Philharmonie, die an einigen Übergängen mit Verzögerung reagierte, malte die Naturbeschreibungen jedenfalls in bunten Farben. Insbesondere im zweiten der Erschaffung der Lebewesen gewidmeten Teil. Ein Bild von trüber und unstrukturierter Ursuppe vermittelten die ersten Takte, bevor auch musikalisch die ordnende Hand des Schöpfers spürbar wurde. Während das Orchester im Dauereinsatz die verschiedenen Ausdrucksmittel wechselt, muss der Chor die Spannung über längere Pausen hinweg halten, um schließlich auf den Punkt wieder da zu sein. Denn "Die Schöpfung" meint es gut mit den Solisten, die sich nicht in reflektierenden Da-Capo-Arien wiederholen, sondern die biblische Erzählung weiterführen und klanglich illustrieren. Umso wichtiger, hier die passenden und anmutigen Stimmen einzusetzen. Tanja Luthner, die das ganze Unternehmen sicher leitete, bewies mit ihrer Wahl ein glückliches Händchen. Klar und leicht, aber dennoch mit dem nötigen Volumen begeisterte der Sopran von Theresa Nelles, die auch bestens mit dem Bassisten Thilo Dahlmann im Adam- Eva-Duett harmonierte. Tenor Christian Dietz, vom Weihnachtsoratorium noch in bester Erinnerung, erfreute auch hier.

(mkl)