Leichlingen: Gelbe Säcke - Inhalt über Straßen verteilt

Leichlingen: Gelbe Säcke - Inhalt über Straßen verteilt

Es sah beinahe so aus, als hätte sich ein wildes Tier ausgetobt: Verpackungen, Plastikflaschen, Joghurtbecher - die ganze Palette des Kunststoffmülls verteilte sich am Freitagmorgen über mehrere Straßen in den Wohngebieten entlang der oberen Brückenstraße.

Wiesenflächen an Häusern des Spar-und Bauvereins in der Elisabeth-Lindner-Straße waren übersät mit dem Inhalt gelber Säcke. Das Gleiche galt für die Peter-Bremer-Straße, wo sich Verpackungsmüll auf der Fahrbahn fand, aber auch in diversen Hecken auf dem Bürgersteig.

Sturmschäden oder Vandalismus? Die Bergische Wertstoff-Sammel GmbH (BWS) mit Sitz in Engelskirchen ist für die Entsorgung von Verpackungsmüll in der Blütenstadt zuständig. Während man dort gestern auf Anfrage einräumte, den aktuellen Fall noch nicht zu kennen, grundsätzlich seien mutwillige Beschädigungen an gelben Säcken in der jüngeren Vergangenheit aber immer wieder zu beobachten, reagiert Leichlingens Bürgermeister Frank Steffes verärgert auf das Thema.

"Die BWS macht sich bei Beschädigungen von Gelben Säcken immer wieder gern einen schlanken Fuß", kritisierte er gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Steffes geht davon aus, dass der Sturm der vergangenen Tage zur Abholung bereit gestellte Gelbe Säcke zerfetzt hat: "Es würde mich jedenfalls nicht wundern, so dünn wie die sind."

Der Entsorger weise die Stadtverwaltung gerne mal darauf hin, an den Ausgabestellen darauf zu achten, dass nicht zu viele Rollen den Besitzer wechseln. "Und dann", sagt Steffes, "stelle ich immer wieder fest, dass man zwei Säcke nehmen und ineinanderlegen muss, damit einem das Zeug nicht um die Ohren fliegt."

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Schon 2013 stand der Gelbe Sack in Leichlingen heftig in der Kritik: Damals häuften sich bei der Stadt die Beschwerden über die Festigkeit. Aufgebrachte Bürger berichteten über Verschmutzungen der Straße, wenn Säcke aufreißen. Die BWS wechselte daraufhin den Lieferanten.

Doch die Kritik flammt immer wieder auf, gerade nach stürmischen Tagen wie den vergangenen. Dabei gibt es durchaus Lösungsansätze: Einen Modellversuch zur Entsorgung des Verpackungsmülls aus Haushalten hat vor vier Jahren bereits der öffentlich-rechtliche Entsorger für die Gemeinden im Kreis Segeberg gestartet. Er bot seinen Bürgern eine orangefarbene "PlusTonne" an. Sie dient ausschließlich der Aufbewahrung der "Gelben Säcke" und darf jeweils am Abholtag an die Straße gestellt werden. Der Haken: Für den zusätzlichen Service müssen die Bürger 8,52 Euro im Jahr bezahlen. Dennoch: Nach einem Jahr nutzten bereits mehr als 22.000 Haushalte das Angebot.

Warum aber ist der Gelbe Sack so dünn? In Internet-Verbraucherforen wie etwa "Abfallguru.de" heißt es dazu: "Ausschlaggebend soll wohl gewesen sein, dass stabilere Säcke den Verbraucher eher zu einer Zweckentfremdung verleiten würden. Stattdessen ist der aktuelle Sack,perfekt' an seine Anforderungen angepasst worden. Er ist gerade nur so reißfest, dass er ausschließlich Verpackungsmüll und nichts anderes aushalten soll. So soll verhindert werden, dass falscher Müll, wie etwa Altkleidung oder Elektrogeräte in den Gelben Sack gelangen."

Und wer räumt den Müll weg, der sich gestern in Leichlingen über die Straßen verteilt hat? Laut BWS sammeln die Entsorgungs-Kräfte auch Teile ein, die sich lose neben der Abholstelle befinden, wenn es Beschädigungen gab. "Aber sie suchen natürlich keine komplette Wiese ab." Im Verkehrsbereich trete die Stadt in Aktion - und ansonsten sei jeder Grundstücksbesitzer für sein Gelände verantwortlich.

(RP)