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Leichlingen: Friseur auf Parkticket: Werbung oder Ortsangabe?

Leichlingen : Friseur auf Parkticket: Werbung oder Ortsangabe?

An der Kirchstraße weisen städtische Parkscheine unmittelbar auf den Namen des benachbarten Friseurladens hin.

Autofahrer, die auf der Kirchstraße unweit der katholischen Kirche St. Johannes Baptist einen der städtischen Parkscheinautomaten nutzen, blicken vermutlich eher selten auf die Ortsangabe ihres Tickets. Wer es doch tut , erlebt allerdings eine Überraschung: "Kirchstraße, Dommers" ist dort nämlich in Großbuchstaben zu lesen - ein deutlicher Hinweis auf den gleichnamigen Friseur-Salon, der sich nur wenige Meter entfernt befindet.

Schleichwerbung? Oder nur die Konkretisierung einer Ortsangabe?

Christian Janeczek ist Fachanwalt für Verkehrsrecht. Er sieht in dem Namenszusatz auf dem Ticket kein Problem - im Gegenteil: "Ein Problem bekäme die Stadt, wenn sie die verschiedenen Parkscheinautomaten auf einer Straße nicht klar voneinander unterscheiden würde. Denn sie muss örtlich genau dokumentieren, wo ein Parkverstoß stattgefunden hat." Der Name des Friseurs sei in der Stadt garantiert bekannt, das dazugehörige Geschäft damit ein Orientierungspunkt - mit Werbung habe das weniger zu tun.

Genau die ist in diesem Segment aber mächtig auf dem Vormarsch. Immer mehr Unternehmen entdecken Parktickets als willkommene Werbefläche. Marco Neumeyer ist Marketing-Experte beim Düsseldorfer Unternehmen HKP, das unter der Bezeichnung "Tickad" Werbung auf Parktickets in ganz Deutschland anbietet. Er sagt: "Gebucht wird die kleine, aber eben täglich präsente Werbefläche sowohl von Großkonzernen als auch von kleinen Einzelhändlern." Ein Erfolgsmodell - und das aus gutem Grund. Statistisch gesehen legt jeder Deutsche drei bis vier Wegstrecken am Tag zurück. Dabei werden 40 Prozent davon mit dem Auto genutzt - tatsächlich ergibt das am Tag rund 112 Millionen Wegstrecken. "Nicht nur für die Freizeit, sondern für Einkäufe aller Art", heißt es auf der HKP-Internetseite. "Der Parkschein ist eine Werbefläche, die täglich millionenfach verwendet wird", bestätigt Geschäftsführer Rainer Kittel. Beispiele seien Innenstädte, Einkaufszentren, Krankenhäuser, Flughäfen, Messen, Bahnhöfe. "Das bedeutet einen möglichen Zugriff auf bis zu einer Milliarde Parktickets täglich", betont das Unternehmen. Eine lohnende Sache für alle Beteiligten.

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Davon ist Leichlingen mit der "Dommers"-Angabe indes weit entfernt, findet Alfred Ossendorf von der Abteilung Verbraucherschutz beim Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC). "Wenn jetzt eine Werbebotschaft zu dem Salon auf dem Ticket stünde, hätten wir zweifellos eine andere Ausgangslage - aber so?", sagt der Experte. Erfahrungsgemäß schauten die Autofahrer ohnehin eher weniger auf die Ortsangabe, weiß Ossendorf, der der gelernter Fahrlehrer ist, aus langjähriger Erfahrung. Und ergänzt: "Das angegebene Ende der Parkzeit ist für die Leute meist deutlich spannender."

(RP)