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Leichlingen: Förderung von Kinderstimmen

Leichlingen : Förderung von Kinderstimmen

Die GGS Büscherhof wurde in Kooperation mit der Musikschule zur Schwerpunktschule Musik. Konsequent werden am Vormittag die Stimmen aller Kinder gefördert, nachmittags gibt es weitere Musikangebote.

Über 100 Kinder beißen kräftig in einen imaginären Apfel. Zu sehen ist natürlich nichts, aber man kann hören, dass er fest und knackig ist. "Chr... chr... chr", ahmen die Zweit- und Drittklässler im Takt Kaugeräusche nach und das erschrockene "sssst" des Wurmes, der sie ängstlich aus dem Inneren anblickt.

Dehnen, strecken, lockern . . .

Spielerisch und mit kleinen Geschichten ermuntert Martina Zilske ihre kleinen Choristen zu dem, was auch große Sänger brauchen: Stimmbildung. Dehnen, strecken, lockern und Schultern kreisen, das alles ist nötig, wenn man eine ganze Schulstunde konzentriert arbeitet. Und das tun die jeweils zwei Klassen der Jahrgänge zwei und drei in der GGS Büscherhof jeden Mittwochmorgen, wenn die Pädagogin der Musikschule kommt.

"Sie ist unsere Leichlinger Antwort auf das Landesprojekt Jedem Kind seine Stimme", sagt Musikschulleiter Andreas Genschel. Ganz klein hat diese Zusammenarbeit zwischen seiner Einrichtung und der Grundschule vor einigen Jahren begonnen, ausschließlich mit Erstklässlern zunächst. Deren Stimmen schult Martina Zilske auch jetzt noch im Klassenraum.

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Die Größeren hat sie zu einem Schulchor zusammengefasst, der aus vier kompletten Klassen mit durchschnittlich 25 Kindern besteht. Mit der Versetzung der jetzigen Erstklässler wird der Chor noch einmal wachsen. Aber schon jetzt gibt es keinen Raum, der groß genug für alle wäre, deswegen trifft man sich im Foyer — ohne Stühle. Stehen ist für Luftsäule und Zwerchfell ohnehin besser, und weil die Pädagogin so engagiert und präsent ist, bleibt auch bei den Kindern die Anspannung erhalten.

Training fürs Gehör

Das hilft beim Treffen der Töne, aber manchmal schleichen sich dennoch Fehler ein, die aber nicht einfach hingenommen werden. Singen lernen ist das eine, genau zuhören und die eigene Stimme kontrollieren, ist die zweite und ungleich schwierigere Sache. Die Chorleiterin nimmt sich die Zeit, unterbricht und trainiert auch das Gehör.

Das ABC-Lied haben sie nicht zum ersten Mal gesungen, aber heute versucht die 3b erstmals eine zweite Stimme in den letzten beiden Takten. 100 Kinder in einem Raum mit Glastüren und viel Ablenkung, das erfordert viel Disziplin. Zilske hat deswegen klare Regeln vereinbart, die sie strikt durchhält. Wer schwatzt, handelt der Klasse einen Minuspunkt ein, wer Besonderes beisteuert, einen Pluspunkt.

Strafen gibt es nicht, aber der Klasse mit den meisten Punkten gibt sie vor den Ferien ein Eis aus. "Wir als Schule sind froh über diese Kooperation", sagt Schulleiter Ulrich Michael Schneider, der neben der stimmlichen Förderung den pädagogischen Wert herausstellt: Konzentration, Koordination, Disziplin und vieles andere wird geübt.

(RP)