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Start-up "Myonbelle" aus Leichlingen: Flatrate für den Kleiderschrank

Start-up "Myonbelle" aus Leichlingen : Flatrate für den Kleiderschrank

Teilen ist im Trend: Angesagte Klamotten muss man nicht mehr besitzen, sondern nur noch tragen. Mit ihrem Start-up "Myonbelle" wollen drei junge Gründer den deutschen Modemarkt von Leichlingen aus verändern.

Mieten statt kaufen — die Idee ist nicht neu. Längst werden in deutschen Haushalten nicht nur Autos, Fahrräder oder Werkzeuge geliehen, auch Musik, Gemüsebeete oder Online-Speicherplatz gibt es zur Miete. In Berlin hat schon vor einigen Jahren ein Leihladen eröffnet; in Düsseldorf werden Weihnachtsbäume, Kinderwagen oder Kunstwerke verliehen. Auch die neue Idee des unendlichen Kleiderschranks kommt aus Nordrhein-Westfalen.

"Ich habe nichts anzuziehen" — welche Frau kennt diese Feststellung nicht? Meistens wird sie vor einem überquellenden Kleiderschrank geäußert. Jede Woche etwas Neues im Schrank, das ist wohl der Traum vieler Frauen. Die drei Gründer Nina Blasberg, Nicole Stein und Philipp Pauls haben mit "Myonbelle" ein Unternehmen gegründet, das Kleidung als Flatrate verspricht. Das Netflix für den Kleiderschrank sozusagen.

Kunden zahlen einen monatlichen Betrag

Das Prinzip ist schnell erklärt: Die Kunden suchen sich im Sortiment aus Kleidung und Accessoires ihre Lieblingsstücke aus. Diese oder Teile im gleichen Stil werden portofrei nach Hause geliefert. Eine Rückgabefrist gibt es nicht: Sobald die Sachen zurückgeschickt werden, kommt eine neue Box.

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Dafür bezahlen die Kunden einen monatlichen Betrag, entweder für drei Accessoires (29 Euro) oder für zwei Kleidungsstücke und zwei Accessoires pro Box (49 Euro). Gefällt ein Teil so sehr, dass man es behalten will, gibt es die Möglichkeit zum Kauf — zu einem Preis, der nach Angaben der Unternehmer immer noch unter dem Ladenpreis liegt.

Büro und Lager des Geschäftes befinden sich in Leichlingen im Bergischen Land. Überschaubare 30.000 Einwohner, idyllisch gelegen an der Wupper, Ex-Fußball-Profi Michael Ballack hat dort ein Häuschen. Nina Blasberg und Philipp Pauls sind dort aufgewachsen. Die Schulfreunde, beide 27, kennen sich noch von früher. Nicole Stein (23), die vorher bei Zalando gearbeitet hat, lernte Blasberg auf einer Gründerkonferenz kennen.

Mit 100.000 Euro Kapital startete das Trio. In einer alten Industriehalle, in der Blasbergs Großvater früher eine Besteckfirma hatte, werden seit über einem Jahr die Kleidungsboxen in die gesamte Republik ausgeliefert. "Wir sind hier in der Mitte Deutschlands, das ist gut für die Logistik", sagt Blasberg. Wie andere Start-ups ins hippe Berlin zu gehen, das komme im Moment nicht infrage.

Reinigen übernimmt Verleihfirma

Im Angebot hat "Myonbelle" mehr als 14.500 Kleider, Hosen, Pullover oder T-Shirts von internationalen Marken. Das Reinigen und Bügeln übernimmt die Verleihfirma. Im Schnitt werden die Kleider aber nur dreimal verschickt, dann verkaufen die Gründer sie bei anderen Internetplattformen wie Kleiderkreisel, auf Mädchenflohmärkten in der Region oder spenden sie.

Im Fokus liegen zwei Dinge: aktuelle Mode, die gut aussieht — und das Thema Nachhaltigkeit. "Es wird sehr viel Kleidung produziert und weggeworfen", sagt Blasberg. Auch im Fashion-Bereich könne man mit ihrem Konzept etwas bewegen. Und: Teilen liege im Trend. "Es geht bei vielen Konsumenten nicht mehr um den Besitz, sondern nur noch um den Zugang zu etwas."

Von den Dimensionen der Internetriesen Zalando, Asos oder Amazon ist das Start-up noch weit entfernt, zur Zeit hat die Mode-Flatrate rund 800 Abonnenten. "Die Zahl steigt, aber wir wollen noch bekannter werden", sagt Blasberg. Und dann irgendwann von Leichlingen aus auch den europäischen Markt erobern.

(RP)