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Eva Rath aus Leichlingen ist die letzte Hilfe in der Schuldenfalle

Beraterin Eva Rath aus Leichlingen : Letzte Hilfe in der Schuldenfalle

Beraterin Eva Rath berichtet von ihren Erfahrungen in der Schuldnerberatung. 96 Leichlingern konnte sie im vergangenen Jahr helfen.

Die Corona-Pandemie hat vielen Menschen wirtschaftlichen Schaden zugefügt. Insbesondere bei ohnehin Ärmeren schnappte die Schuldenfalle schnell zu. In der Blütenstadt ist Eva Rath in diesen Momenten die richtige Ansprechpartnerin. Seit 2016 ist sie Schuldnerberaterin für den Kreis Rhein-Berg und zuständig für die betroffenen Personen in Leichlingen. Ihre wohl größte Herausforderung in den Gesprächen: Vertrauen schaffen, Ängste nehmen.

Wenn Eva Rath in ihrem kleinen Büro auf ihrem Stuhl am Schreibtisch sitzt, dann vermittelt die 42-Jährige ihren Klienten ein Gefühl, das für eine Schuldnerberatung sicher besonders wichtig ist. Sie strahlt Ruhe aus. Sie strahlt Gelassenheit aus. Sie strahlt Kompetenz aus. Ein Gefühl, das viele ihrer Klienten in ihrer Situation gebrauchen können.

Wer in die Schuldenfalle gerät, der bekommt Post. Unangenehme Briefe, deren Sprache oft unmissverständlich klar machen, dass die ausstehenden Summen zu zahlen sind. Oft wird darin bei Zuwiderhandlung mit der Festnahme gedroht. Das schreckt viele Schuldner auf. „Manche trauen sich gar nicht mehr, die Post aufzumachen“, sagt Rath.

So ist es ihre erste Aufgabe und eine Herausforderung, die aufgeregten Klienten zu beruhigen. Diese Kunst beherrscht die 42-Jährige. So gilt es zunächst, die Situation des Betroffenen zu erörtern, und das Konto in ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) umzuwandeln. Dabei ist laut Verbraucherzentrale ein Betrag in Höhe von 1178,51 Euro geschützt. Viele kennen ihre Rechte nicht.

„Das erste Gespräch ist meist sehr schambehaftet“, berichtet Rath. Oft, so sagt sie, sei sie die letzte Ansprechpartnerin, die letzte Anlaufstelle für viele Betroffene. „Die äußern das auch so“, betont die Schuldnerberaterin. Ihre Klienten versuchten oft, die Situation alleine zu lösen. Sie seien oft guten Mutes, die Schulden schnell abbauen zu können.

Als die Stelle in der Blütenstadt 2016 mit Eva Rath neu besetzt wurde, wussten viele Leichlinger nichts davon. Ihre Vorgängerin durfte keine Insolvenzberatung machen. Doch durch Mundpropaganda und die Verbindung zum Jobcenter sind die Zahlen seither angestiegen. „Leichlingen ist halt ein Dorf“, sagt Rath wertschätzend.

Im Jahr 2019 beriet sie 96 Personen. Das sind rund acht Prozent im Kreis Rhein-Berg. Wenn auch die Dunkelziffer höher ist, liegt Leichlingen damit im bundesweiten Durchschnitt. Nach dem beträgt die Verschuldung der Gesamtbevölkerung rund zehn Prozent.

Die Gründe für eine Verschuldung sind vielfältig. Heirat, Trennung oder der Jobverlust sind dabei oft genannte Faktoren. Durch die Corona-Pandemie mussten zudem viele Menschen in die Kurzarbeit oder verloren ihre Selbstständigkeit. Dieser plötzliche Lebenswandel ist finanziell nicht immer stemmbar. Durch Covid-19 rechnet Rath mit einem Anstieg der Beratungen. Die ersten Anzeichen dafür zeigten sich bereits.

Auch dann wird die 42-Jährige für viele Menschen wieder die letzte Anlaufstelle sein. Doch mit ihrer ruhigen Art wird sie die Gefühlswelt der Betroffenen schnell besänftigen. Die Erkenntnis und das Wissen, den Menschen sofort und nachhaltig helfen zu können, ist für Rath Ansporn. „Das ist das Schönste an diesem Beruf“, sagt sie.