Leichlingen: Ein Mann auf der Bühne, zwei Zuschauer im Saal

Leichlingen: Ein Mann auf der Bühne, zwei Zuschauer im Saal

Rund ein Jahr hat Schauspieler, Autor und Regisseur Samir Kandil gebraucht, sein Ein-Mann-Theaterstück in die Tat umzusetzen. Ein Prozess, der sich gelohnt haben sollte. An einem verregneten Donnerstagnachmittag machte er mit seinem Stück im Café Büchel in Leichlingen Halt.

Es ist der vierte Stopp auf seiner Tour durch Räume und Locations, in denen man - so sagte er selbst - eigentlich kein Theaterstück erwarten würde. Dass an diesem Nachmittag nur zwei Zuschauer kamen, störte ihn nicht. Der Umstand sorgte vielleicht sogar dafür, dass all das, was dann passieren sollte, noch ein wenig intensiver wurde.

Kandil erzählt in "Expedition", einer eigens kreierten Geschichte, das Erlebte eines Professors. Auf seine alten Tage wird der Universitätsdozent eingeladen, einer Reise in die Arktis beizuwohnen. Eine im 19. Jahrhundert noch weitestgehend unerforschte Gegend. Sein Wissen werde benötigt.

Doch bereits vor der Reise wird die Gruppe durch den Tod eines Mitreisenden erschüttert, auf der Fahrt über das Meer sterben weitere drei Menschen. Die Zusammenhänge mit einem Raub werden immer deutlicher. Schließlich kommt es zum dramatischen Finale.

Eigentlich war das Stück so geplant, dass die Zuschauer sich selbst als Teil eines Vortrags durch den Professor in einem Saal verstehen. Doch das funktionierte nicht recht. Es wurde besser. Durch die Art und Weise des Vortrags wurde ein Hörbuch mit gelegentlichen Schauspieleinlagen daraus. Die Stimme Kandils wichtigstes Instrument.

Der Zuschauer hätte auch die Augen schließen und lauschen können. Er versetzt sich an die verschiedenen Orte, wohnt jeder Situation als alles sehende Figur bei. Die Fantasie bringt ihn in eine Villa, an den Hafen und auf ein Schiff. Er sieht den Kahn vor sich, riecht das Meer, spürt den Wind im Haar.

Nach rund eineinhalb Stunden ist der Spuk vorbei, und der Zuseher (oder -hörer) ist wieder im Hier und Jetzt. Am 29. April führt Kandil sein Stück im Atelier von Klaus Stecher in Wülfrath auf. Wie viele Stationen noch kommen, sagt er, sei offen.

Seit 1998 übt er sein Handwerk professionell aus. Dabei ist er nicht immer alleine auf der Bühne. So haben beide Formen ihre Herausforderungen. "Inszeniert man sich alleine, kann man alles umsetzen, das man sich vorstellt. Auf der anderen Seite kann man in der Gruppe Verantwortung abgeben. Dort ist es ein Geben und Nehmen", erklärte der Darsteller.

(brü)