Leichlingen: Edeka Trompete: "Störfeuer" aus Langenfeld

Leichlingen: Edeka Trompete: "Störfeuer" aus Langenfeld

Die Stadt Langenfeld beobachtet die geplante Edeka-Ansiedlung an der Trompete genau – und kritisch. Man werde nicht einfach hinnehmen, dass Leichlingen an der Stadtgrenze einen zu großen Supermarkt baue, hieß es am Dienstag.

Langenfeld hatte sich wegen des geplanten Reitsportmarkts an der Reusrather Straße sogar an die Kommunalaufsicht gewandt. Es war eine ebenso kurze wie heftig vorgetragene Bemerkung, mit der Volker Jung das gut 20-seitige Gutachten der Marktforschungsgesellschaft GMA zum Nahversorgungsstandort Trompete als Ergänzung zum Leichlinger Einzelhandelskonzept vom Tisch wischte.

"Konzept ist Konzept", befand der Fraktionschef der Bürgerliste Witzhelden-Leichlingen am Montagabend im BUS-Ausschuss (Bauwesen, Umweltschutz, Stadtentwicklung): "Es muss die Größe bewilligt werden, die der Investor braucht." Also die geforderten knapp 1800 Quadratmeter für den geplanten Edeka-Supermarkt.

In Jungs Sinne fasste die große Mehrheit des Ausschusses den entsprechenden Beschluss: maximal 1800 Quadratmeter darf der zur Nahversorgung des Leichlinger Westens gedachte Markt haben.

Dass er damit mehr als 600 Quadratmeter größer wäre als der bereits bestehende Edeka-Bonus in Witzhelden (ca. 1250 Quadratmeter), etwa 800 größer als Kaiser's am Hammer (ca. 1000 qm), gut doppelt so groß wie Aldi in der Brückenstraße (800 qm) und knapp doppelt so groß wie Lidl an der Neukirchener Straße (940 qm) – das alles war Jung egal. Seine Auffassung: "Der Markt wird's schon richten."

Rewe in Reusrath hat 1300 qm

Geradezu "hin"-richten könnte der von Jung und anderen im Ausschuss propagierte (Groß-)Markt das Projekt neue Stadtmitte. Denn auch der im neuen Gebäude im Stadtpark vorgesehene Rewe-Supermarkt soll 1800 Quadratmeter bekommen.

Und so läuft hinter den Kulissen offenbar ein großes Gezerre der Handelskonzerne um die größten Verkaufsflächen, wie es aus Verwaltungskreisen heißt. Leichlingen, so hatte es Bürgermeister Ernst Müller in der Sitzung am Montag formuliert, drohe da "zwischen die Fronten zu geraten".

Doch "Störfeuer" kommen nicht nur durch die Andeutungen der Investoren, sich zurückzuziehen, wenn die Konkurrenz ihre Forderungen durchsetzt. Auch in der Nachbarstadt Langenfeld wird die Handelsaktivität in Leichlingen mit Argusaugen beobachtet – und offen angekündigt, dass man einen 1800 Quadratmeter großen Supermarkt an der Trompete ganz sicher nicht so einfach hinnehmen werde.

Jan-Christoph Zimmermann ist Langenfelds City-Manager. Er sagt: "Wir bauen ja auch keine Supermärkte bei uns auf die Stadtgrenze." Der Rewe-Markt in Reusrath beispielsweise, zu dem auch viele Leichlinger Kunden fahren, liege im Ortszentrum – und habe gerade mal 1300 Quadratmeter.

Der städtische Bauamtsleiter Stephan Anhalt beruft sich sogar auf das Landesentwicklungsprogramm NRW, das für einen Supermarkt zur Nahversorgung der Anwohner 800 Quadratmeter vorsehe und nicht 1800. Und Volker Jungs Auffassung, der Markt werde es schon richten? "Wir haben nichts gegen marktwirtschaftliche Konkurrenz", betont Anhalt, aber die Regeln müssten schon eingehalten werden.

Weil Langenfeld das unlängst bei der Ansiedlung des Reitsportfachmarktes Krämer an der Reusrather Straße bezweifelte, rief die Stadt die Kölner Bezirksregierung auf den Plan. Die entschied damals zwar für Leichlingen. Doch die rheinischen Nachbarn lassen keinen Zweifel daran aufkommen: Falls erforderlich, wird Köln auch bei der Trompete eingeschaltet. Kommentar

(RP)