Leichlingen: Edeka-Planer greift Stadt an

Leichlingen: Edeka-Planer greift Stadt an

Der Projektentwickler Ten Brinke, der einen Edeka-Markt an der Trompete plant, wirft der Stadt Leichlingen vor, sie taktiere und verzögere. Die wehrt ab und betont, das Vorhaben dürfe die neue Stadtmitte nicht gefährden.

Hans-Werner Schönberg von der Ten-Brinke-Gruppe ist hochzufrieden: Auf 32 000 Quadratmetern Grundstück (davon 7900 Handelsfläche) hat der Geschäftsführer des Fachunternehmens für Immobilienentwicklung und Bau bereits 14 Mietverträge abgeschlossen.

Es handelt es sich dabei allerdings um ein Projekt im hessischen Gelnhausen. Kommt Hans-Werner Schönberg dagegen in diesen Tagen auf Leichlingen zu sprechen, wird er beinahe wütend. "Hier läuft zurzeit gar nichts", schimpft der Projektentwickler, der an der Trompete einen Edeka-Markt ansiedeln will — mit 1480 Quadratmeter Verkaufsfläche plus weiteren 300 als Getränkemarkt.

Streit um Einzelhandels-Gutachten

"Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Stadt taktiert und alles verschleppt", sagte Schönberg gestern gegenüber unserer Zeitung. Vor allem in der Frage eines noch ausstehenden Einzelhandels-Gutachtens sieht er sich benachteiligt. "Normalerweise ist es üblich, dass der Entwickler eines solchen Projekts auch die Gutachten beibringt", argumentiert Schönberg.

Im Falle der Aldi-Ansiedlung am Wallgraben sei das auch so. "Bei uns hat aber die Stadt selbst das Einzelhandels-Gutachten in Auftrag gegeben", fügt er hinzu: "Und auf das Ergebnis warten wir noch immer." Viele Wochen seien vergangen — für eine Untersuchung, "die wir und andere Auftraggeber bei vergleichbaren Projekten innerhalb von 14 Tagen beibringen".

  • Wenn die ÖPNV-Anbindung stimmt : Immobilien-Entwickler sollen weniger Parkplätze in Düsseldorf schaffen müssen

Ein für heute angesetztes Abstimmungsgespräch zwischen Leichlingens Baudezernentin Barbara Hammerschmidt und den Gutachtern bereitet Schönberg zudem Bauchschmerzen. "Was gibt es denn da noch abzustimmen", fragt er: "Etwa, was drinstehen soll?"

Sowohl Hammerschmidt als auch Bürgermeister Ernst Müller wiesen die Vorwürfe gestern zurück: "Herr Schönberg versucht, über die Politik und die Medien Druck zu erzeugen, damit er auf jeden Fall seine knapp 1800 Quadratmeter Verkaufsfläche durchgedrückt bekommt", sagte Müller.

Genau dies sei jedoch ein Knackpunkt in der derzeitigen Diskussion: Auch die Fläche für den neuen Vollsortimenter, der in der Leichlinger Innenstadt entstehen soll, betrage nicht mehr als 1800 Quadratmeter. Gefährdet die angepeilte Größe an der Trompete den Einzelhandel in der Innenstadt? Was ist noch Nahversorgung, und was strahlt weit darüber hinaus? Unter anderem das soll das Gutachten nach Auskunft der Stadt klären — zudem sei es Wunsch der Politik gewesen, das Leichlinger Einzelhandelskonzept zu ergänzen. Auch ein Baustein des Gutachtens. "Da müssen wir im heutigen Gespräch ein paar Eckpunkte abstimmen", sagt Baudezernentin Hammerschmidt: Nicht mehr und nicht weniger.

Müller betont: "Nicht nur die Politik will das Projekt an der Trompete, auch die Verwaltung. Aber da wir dafür den Flächennutzungsplan ändern müssen, kommt auch die Bezirksregierung ins Spiel." Und es helfe gar nichts, wenn man sich jetzt auf 1800 Quadratmeter festlege, und dann stehe die Kommunalaufsicht plötzlich "quer im Stall".

Der Stadtchef verspricht: "Wenn das Gutachten zu dem Schluss kommt, 1800 Quadratmeter Verkaufsfläche an der Trompete schaden der Innenstadt nicht, haben wir absolut nichts dagegen." Aber wenn das nicht der Fall sei, werde man nicht riskieren, dass das gesamte Projekt neue Stadtmitte deswegen über die Wupper gehe.

(RP)