Leichlingen: Drohbriefe in Cremers Weiden

Leichlingen: Drohbriefe in Cremers Weiden

In dem Leichlinger Wohngebiet hat Post von einem Inkassobüro für Aufregung gesorgt. Auslöser des Ärgers ist laut Mieterverein aber nicht die Verwaltung von Treureal, sondern die Wohnungsgesellschaft Cremers Weiden.

Eines möchte Helmut Bischoff klarstellen: "Es geht mir nicht um das Geld." Zwar stehe eine Nachforderung von 250 Euro im Raum, die seiner 90-jährigen Schwiegermutter von der Treureal in Form der Nebenkostenabrechnung zugesandt worden sei. "Aber was mich ärgert, ist die Art, in der mit älteren Mietern umgegangen wird", moniert Bischoff. Denn zwei Monate nach der (Ende Dezember erhaltenen) Abrechnung bekam die betagte Frau im Briefkasten ihrer Wohnung an der Kleiststraße Post von einem Inkassobüro. "Die massiven Drohungen darin haben meine Schwiegermutter um den Schlaf gebracht", sagt Bischoff.

Laut Mieterverein Leverkusen handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Geschäftsführer Volker Ziaja berichtet von 400 Betroffenen. Es handele sich um die Mieter der Wohnungen, die vor Jahren von Cremers Weiden an englische Investoren (Hotcross Limited, Turnerfield Limited) verkauft wurden. Fehler bei Abrechnungen der Nebenkosten seien kein neues Phänomen, das Schreiben des Inkassobüros habe aber für Ziaja eine neue Qualität. "Das ist eine Frechheit, fast schon Nötigung", sagt er mit Verweis auf vier Drohungen darin: Mit gerichtlichen Maßnahmen, Schufa-Einträgen, Insolvenzverfahren und fristloser Kündigung des Mietvertrags werde gedroht, um das Geld einzutreiben.

  • Leichlingen : Cremers Weiden: Gericht gibt Mieterin Recht

Immerhin: Das Inkassobüro habe die Forderungen inzwischen zurückgenommen und sich entschuldigt. Während Ziaja den Verwalter weitgehend freispricht von der Schuld rund um die Inkasso-Schreiben ("Das ist über den Kopf von Treureal hinweg durch die englischen Investoren passiert"), schiebt Bischoff noch einigen Frust auf den Verwalter. Denn der hatte — nachdem Beanstandungen an der Nebenkostenaufstellung laut geworden seien — korrigierte Abrechnungen angekündigt. Dem sei Treureal aber bislang nicht nachgekommen. Bis das geschieht, rät Ziaja dringend ab, Nebenkosten- oder Inkasso-Forderungen zu begleichen. Wer bereits gezahlt habe, könne sich bei ihm über die Möglichkeiten informieren, das Geld zurückzufordern.

Die Ursache des gesamten Problems liege nach Angaben Ziajas im Übrigen bei Cremers Weiden, weil das Unternehmen für gelieferte Fernwärme deutlich zu viel Geld verlange und die Informationen über die Heizkosten, die Cremers Weiden weitergebe, die Grundlage für die Abrechnung von Treureal bilden. Aus einem Urteil am Landgericht in Köln geht hervor, dass Cremers Weiden für Fernwärme 30 Prozent zu viel und damit falsch abrechnet. "Daher kann Treureal gar keine richtigen Rechnungen erstellen", sagt Ziaja, der sich allerdings eine bessere Information von Seiten des Verwalters an die Mieter wünschen würde.

(RP)