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Drei Monate nach der Flut in Leichlingen – die Sanierung läuft

Schäden an städtischen Gebäuden in Leichlingen in Millionenhöhe : Drei Monate nach der Flut – die Sanierung läuft

Langsam ist Licht am Ende des Sanierungstunnels zu sehen. Doch der ist noch lang – auch im Rathaus, dessen Keller das Wasser stark traf. Stadt legt Kostenschätzung vor.

Als der Starkregen am 14. Juli in den frühen Abendstunden gar nicht aufhören wollte, wurde Hausmeister Holger Hoffmann unruhig. Er machte sich auf den Weg ins Rathaus. Weil das Wasser schon auf der Neukirchener Straße stand, ging er zur Sicherheit in den Keller des Verwaltungsgebäudes. „Und hörte es schon plätschern. Der Hausmeister schloss noch schnell sämtliche Zimmertüren im Keller auf, um der Feuerwehr späteres Aufbrechen zu ersparen, dann zog er sich ins Erdgeschoss zurück“, fasst Stadtsprecherin Ute Gerhards von den Ereignissen der Flutnacht zusammen. Drei Monate später ist noch immer nicht wieder alles so, wie es sein sollte.

Holger Hoffmann konnte den Keller des Rathauses erst Tage später betreten – „zu groß war bis dahin die Gefahr eines Stromstoßes“. Und er fand Verwüstung vor. Denn „in der Flutnacht lief der Keller voll, das Wasser stand 1,60 Meter hoch, fast bis zur Decke. Im Wahlbüroraum, der über dem eigentlichen Kellergeschoss liegt, standen die Fluten circa 90 Zentimeter hoch“, sagt Gerhards.

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Der Hausmeister verbrachte die Nacht mit ein paar anderen Verwaltungsmitarbeitern im Rathaus – gezwungenermaßen, denn irgendwann hatte das Wasser die Macht über die Leichlinger Innenstadt gewonnen. Die Nacht war Auftakt zum großen Aufräumen. Hoffmann, schildert die Sprecherin im Rückblick, war in den Folgetagen rund um die Uhr im Einsatz: Er koordinierte mit Kollegen vom Gebäudemanagement, mit der Feuerwehr und den Rettungsdiensten das Leerpumpen des Kellers, half der EDV bei der Notstromversorgung und gab Bürgen an der Notruf-Hotline Auskunft. 

Als nach einer Woche endlich das Wasser abgepumpt war, offenbarte sich das Ausmaß der Schäden. Von Büroklammern bis zu Sanitärartikeln, von Glühlampen bis zu Fahnen, Flaggen und Putzmitteln war kaum noch was bis gar nichts, was im Keller gelagert wurde, noch zu gebrauchen. Dazu umgekippte Regale, aufgequollene Papiervorräte, verschlammtes Werkzeug, von Schimmel befallene Akten. Gerhards: „Hoffmanns Kollege Martin Schmidt, der seit 20 Jahren das Rathaus auf Vordermann bringt, beendete seinen Urlaub frühzeitig, um bei der Koordinierung der Aufräumarbeiten mitzuhelfen.“ Neben dem historischen Stadt- und dem Personenstands- und Zwischenarchiv waren auch die städtischen Materiallager betroffen. Zerstört wurden auch das Werkzeuglager der Hausmeister und die großen Schneide- und Kuvertiermaschinen, der Industriekopierer, die Rollblockanlage, Streusalzvorräte und Laubbläser.

Gegen die Wassermassen verloren hatte auch die Elektronik im Keller. Heißt: „Die Batterieanlage, die für die Notbeleuchtung im Rathaus zuständig ist, die Stromhauptverteilerkabel, die Steuerungsanlage der automatischen Türöffnung und der Gleitzeituhren, der Treppenlift zum Ratssaal und die Aufzüge müssen repariert werden“, sagt die Stadt. Das Problem: Die Flut hat an vielen Orten Schäden verursacht, Fachfirmen sind extrem gut gebucht, Ersatzteile lassen auf sich warten.

„Hoffmann und Schmidt verzagen nicht. Tag für Tag bringen die Hausmeister wieder Ordnung in das Chaos“. Bis zu 50 Helfer schleppten Lagerbestände und Einrichtung raus. 250 Kubikmeter Müll wurden entsorgt, „körperliche Schwerstarbeit, denn zu diesem Zeitpunkt gab es weder Licht noch funktionierende Aufzüge im Kellerbereich, alles war voller Schlamm“, erinnert Ute Gerhards. Die Helfer durften nur mit Schutzkleidung und Atemschutzmasken den Keller betreten. „Die Feuerwehr musste einige der metallenen Materialschränke aufsprengen, da sich die darin gelagerten aufgequollenen Papierbestände so verkeilt hatten, dass die Schränke sich nicht mehr öffnen ließen.“

Mittlerweile sind die Kellerräume entkernt, der Rohbau wird noch getrocknet, die Entfeuchter sind im Dauereinsatz, die Wasserauffangbehälter werden täglich geleert. Eine Firma sorgt dafür, dass sich kein Schimmel bildet. Martin Schmidt und Holger Hoffmann sind trotz allem optimistisch – nach drei Monaten „ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Die Heizungsanlage läuft wieder, der Strom im Rathaus ist zurück, einer der Aufzüge im Einsatz“, berichtet die Stadt. Und dennoch: Die Sanierung wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Hoffmann und Schmidt haben weiterhin genug zu tun mit den Nachwehen der Flut.