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Dominique Horwitz liest in Schloss Eicherhof in Leichlingen

Schloss Eicherhof : Horwitz liest über Liebe und Intrigen

Im Schloss Eicherhof stellte der Schauspieler Auszüge aus seinem Roman „Chanson d’amour“ vor.

Schauspieler Dominique Horwitz war am Sonntag zu Gast in der Blütenstadt um sein jüngstes Werk „Chanson d’amour“ vorzustellen. Im ausverkauften Saal von Schloss Eicherhof bewies der gebürtige Franzose, dass er neben der Bühnenkunst ein aufmerksamer Beobachter, begnadeter Erzähler und ein großartiger Vorleser ist.

Ein urtypischer Theatergeruch lag in der Luft des hell beleuchteten Saals im barocken Schlösschen: Eine Mischung aus dem Duft heißer Scheinwerfern, sanftem Puder und teuren Parfums betuchter Herrschaften, legte sich wie zarter Tüllstoff über die rund 100 Besucher, die sich zur Lesung eingefunden hatten, gespannt und erwartungsvoll hinsichtlich des prominenten Gastes.

Ute Gerhards, verantwortlich für die Reihe „Kultur im Schloss“, kündigte Horwitz als „vielseitigen Gast“ an. Als Schauspieler und Regisseur sei er einem breiten Publikum bekannt geworden. „Nur wenige wissen, dass er auch ein toller Musiker ist.“ Und erst seit wenigen Jahren ist bekannt, dass Horwitz auch selbst Literatur erzeugen kann. In die Blütenstadt kam der 61-Jährige als Autor und Schriftsteller. Nach seinem Erstlingswerk „Tod in Weimar“, stellte er an diesem Abend seinen zweiten Roman „Chanson d’amour“ vor, der ebenfalls in seiner Wahlheimat Weimar spielt und erneut den Kutscher Roman Kaminski als Hauptfigur führt.

Nach einem gelungenen Krimiroman geht es diesmal um Liebe, Kunst und Intrigen und scheinbar auch um eine offene Abrechnung mit den Medien: Ein selbstgefälliger Chefredakteur des Lokalblatts zerreißt die erste Regiearbeit des neuen Theaterintendanten Johannes Sander am Deutschen Nationaltheater Weimar. Die Frau des Journalisten, die sich in ihrer Ehe schon lange nicht mehr wohlfühlt, verliebt sich in Sander. Dieser erwidert ihre Gefühle, die Geschichte nimmt seinen Lauf.

Aus verschiedenen Kapiteln las Horwitz gekonnt und pointiert vor, versetzte seine Zuhörer in diverse, detailreich ausgeschmückte Szenerien und Gefühlswelten der Figuren und setzte dabei seine markante Stimmfarbe ein. Sehr bildhaft schildert der Autor in seinem Werk, was für ein offenkundig widerwärtiger Mensch der Chefredakteur sein muss, der seine Macht als Journalist ausnutzt und seine Frau immer wieder abwertend behandelt.

Welche Verbindungen Horwitz da zur Realität zieht, oder ob alles reine Fiktion ist, ließ der Künstler an diesem Abend zwar offen. In früheren Interviews aber äußerte er deutlich, dass er sich – vor allem im politischen Journalismus – mehr Verantwortung wünscht. Doch ungeachtet der offenen Kritik, dem Leichlinger Publikum zumindest gefiel der Ausflug in die Goethestadt und genoss die kurzweilige Lesung.