Diskussionsrunde in Leichlingen: Bauern fürchten stille Enteignung

Diskussionsrunde in Leichlingen : Landwirte fürchten stille Enteignung

Die CDU lud zum Frühstück ins Reitcasino Sieferhof ein, um über die Landwirtschaft in der Blütenstadt zu diskutieren.

Was wäre die Blütenstadt ohne ihre Bauern? Ohne Apfel- und Erdbeeranbau, Geflügel-, Pilz- und Blumenzüchter? Dieses Szenario will sich Bernd Sesterhenn, Vorsitzender der Ortsbauernschaft, gar nicht vorstellen. Doch seit 20 Jahren wird der Landwirt damit konfrontiert, dass immer mehr Betriebe schließen. „In der Politik scheint es nur die großen Betriebe oder den kleinen Biobauern zu geben, von der landwirtschaftlichen Mittelschicht, wie es sie bei uns gibt, ist nie die rede“, bemängelt Sesterhenn. Nicht nur er diskutierte auf Einladung der CDU am Samstagmorgen beim Frühstück im Reitercasino lebhaft.

Auf insgesamt 1400 Hektar (fast 2000 Fußballfeldern) sind in der Blütenstadt aktuell 25 Betriebe tätig, vier davon im Nebenerwerb, weil die Arbeit in der Landwirtschaft längst nicht mehr die Existenz sichere, berichtete Sesterhenn. Tatsächlich seien Landwirte der Mittelschicht heutzutage darauf angewiesen, mehrere Standbeine zu haben: Neben dem klassischen Anbau von Obst und Gemüse betreiben die meisten Leichlinger Landwirte noch einen eigenen Hofladen, biete Kindergeburtstage oder Übernachtungsmöglichkeiten an, um weitere wichtige Einnahmequellen zu generieren. Peter Lautz, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, brachte die Situation der Bauern auf den Punkt: „Von 1990 bis heute sind 50 Prozent der Landwirtschaft zurückgegangen. Wir haben einen jährlichen Rückgang von zwei bis drei Prozent, weil sich keine Nachfolger für die Betriebe finden oder weil es sich wirtschaftlich einfach nicht mehr rechnet.“ Schuld daran seien unter anderem die Politik und die öffentliche Wahrnehmung. Von den einen würden die Landwirte ewig bevormundet, von der anderen schlecht geredet. „Der Bauer ist immer an allem schuld“, äußerte der Landwirt aus Bergisch Gladbach. Dabei sei die Landwirtschaft nur ein kleiner Teil des Umweltproblems. Das gerade beschlossene Agrarpaket, das er aufgrund der Verordnungen und Vorschriften als stillschweigende Enteignung versteht, würde die örtlichen Bauern für etwas sanktionieren, das sie nicht zu verantworten hätten. „Wir sind an einem Dialog interessiert, der ideologiebefreit ist“, betonte Peter Lautz.

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass Umweltprobleme nur gemeinsam gelöst werden können und die Verantwortung nicht allein auf die Bauern abgewälzt werden dürfe. Es sei nicht redlich, ihnen vorzuschreiben, zum Schutz der Insekten, Obstbäume zu pflanzen und Blühstreifen anzulegen, während Bürger aus Bequemlichkeit Steingärten anlegten.

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