Leichlingen: Die Feuergefahr lauert in der Isolierung

Leichlingen: Die Feuergefahr lauert in der Isolierung

Nach dem erneuten Brand des Holzhauses in der Goethestraße geht die Suche nach der Ursache weiter. Je besser eine Wand isoliert ist, desto schwieriger sei es, Glutnester mit der Wärmebildkamera aufzuspüren, sagt ein Brandexperte.

Fünf Tage nach dem Brand des Holzhauses in der Goethestraße laufen die Aufräumarbeiten an. Das Dach ist mit einer Plane abgedeckt, eine Schuttrutsche wurde angebracht. Das Haus ist derzeit unbewohnbar, "kann aber saniert werden", sagte die Hausbesitzerin, die derzeit auf der Suche nach einer möbilierten Wohnung im Raum Leichlingen ist, gestern. Heute soll mit den Aufräumarbeiten begonnen werden.

Foto: Miserius

"Erst mal wird alles durch eine Spezialfirma entrümpelt, das Dachgeschoss muss komplett erneuert werden", berichtet die 53-Jährige. "Ich hoffe, dass wir in sechs Monaten wieder zurück in unser Haus können." Nach dem erneuten Brand war zunächst unklar, ob das Haus saniert werden kann. "Als das Feuer erneut ausgebrochen ist, habe ich gedacht, das Haus brennt komplett ab. Ein dickes Lob an die Feuerwehr, die extrem freundlich und hilfsbereit war", betont die Leichlingerin. Die Wehr habe versucht, den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Wie hoch der Schaden ist, sei aber weiterhin unklar. Von mehr als 100 000 Euro spricht die Hausbesitzerin. Erst in ein paar Wochen werde sich zeigen, welchen Schaden das Wasser angerichtet habe.

Das Einfamilienhaus, dessen Dachstuhl bereits am vergangenen Donnerstagmorgen gebrannt hatte, war in der Nacht zu Freitag erneut in Flammen aufgegangen. 50 Feuerwehrleute kämpften gegen den Brand. Ein technischer Defekt im Dachgeschoss hatte den ersten Brand ausgelöst. Als Ursache für das erneute Feuer wird ein Glutnest vermutet, das der Wind durch ein kaputtes Fenster entfacht haben könnte. Noch bis Donnerstagnachmittag war die Feuerwehr vor Ort gewesen, um mögliche Brandnester zu beobachten. Dabei wurde eine Wärmebildkamera eingesetzt (wir berichteten).

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Unterdessen geht die Suche nach der Ursache für den erneuten Brand des Holzhauses weiter. Leichlingens Feuerwehrchef Ronald Hillbrenner sagte, es gebe Stimmen, die die Ursache für den erneuten Brand in der Zellulose suchten, die möglicherweise sehr viel Wärme gespeichert habe und bis zum Ausbruch des erneuten Brandes ihre Umgebung, die Holzverschalung, entzündet habe.

Die Leichlinger Wehr stehe derzeit mit Wehrleuten in Cuxhaven in Verbindung. Dort habe es zwei ähnliche Fälle gegeben, in denen eine "Einblasdämmung aus Zellulose" verbaut worden sei und die Feuerwehr daraufhin ein zweites Mal habe löschen müssen. Von der Zusammenarbeit erhoffe sich die Leichlinger Wehr neue Erkenntnisse.

Der Einsatz von Zellulose sei neu und wenig erforscht, sagte Ingenieur Frank Markmann, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Brandursachen, gestern. Ohne Zündquelle gehe von Zellulose keine Brandgefahr aus. Zellulose sei jedoch "ideal für Glutnester". Je besser eine Wand isoliert sei, desto schwieriger werde es, Glutnester mit einer Wärmebildkamera aufzuspüren. "Wenn die Wand ausreichend dick ist, bekommt man nicht mit, dass ein Glutnest dahinter ist." Das gelte auch für andere hocheffiziente Materialien.

Mobile Brandmelder, mit denen gefährdete Bereiche überwacht werden, kommen bei Freiwilligen Feuerwehren nicht zum Einsatz. Die seien zu wartungsintensiv, teilte Feuerwehrsprecher Schmitz mit.

(RP)
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